Nr. 11/2004
25. November 2004
In dieser Ausgabe u.a.
- Bundespräsident a.D. Richard von Weizsäcker zu Gast
bei der Bauindustrie
- Hochschultag der Bauindustrie 2004: Studium muss zum Beruf
befähigen
- DIHK Konjunkturumfrage im Herbst 2004
- Der aktuelle Kommentar: Die Chancen überwiegen
Bauindustrietag 2004 des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen
(brb).- Im Mittelpunkt des ersten Bauindustrietages des aus der Fusion des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen und des Bauindustrieverbandes Bremen-Nordniedersachsen entstandenen Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen standen die Vorträge der Niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, Frau Dr. Ursula von der Leyen, des ehemaligen Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Richard von Weizsäcker, sowie des Hamburger Wissenschaftlers Professor Horst W. Opaschowski.
Im Rahmen der Begrüßung der vielen Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung betonte der Präsident des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen, Professor Dr.-Ing. Rolf Warmbold, dass die längste Baukrise der deutschen Nachkriegsgeschichte weiter anhalte. Auch das kürzlich vorgestellte Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute weise für das nächste Jahr lediglich eine Abschwächung des Abwärtstrends auf.
Die lang anhaltende Konjunkturkrise der Bauwirtschaft gehe mit einer dramatischen Strukturveränderung einher, die von Politik und Gesellschaft im Wesentlichen unbemerkt geblieben sei. Die Zeichen dafür, dass sich die Politik vom Bau abgewandt habe, würden immer deutlicher.
Die deutsche Volkswirtschaft, die sich nach Aussage Warmbolds in einer Phase des Übergangs und der Neuorientierung befinde, brauche gestaltendes und bewahrendes Bauen als ein Zeichen der Selbstgewissheit und des Vertrauens in die Zukunft. Es sei bedauerlich, dass Deutschland in den letzten Jahren als Lokomotive der europäischen Konjunktur ausgefallen sei, weil die Voraussetzung für wachstumsfördernde Investitionen im Baubereich in der Mitte Europas nicht geschaffen worden seien.
Im Einzelnen führte Warmbold aus, dass es im vergangenen und diesem Jahr besonders schwer die Straßenbauwirtschaft und die für die Deutsche Bahn AG tätigen Bauunternehmen getroffen habe, aber auch der Wirtschaftsbau leide nach wie vor darunter, dass nicht klar sei, ob es besser sei, hier oder anderswo in Europa zu investieren. Nur wenn sich die politischen Rahmenbedingungen für ein Investment in Deutschland wieder positiv entwickeln würden, sei zu hoffen, dass sich Investoren wieder Deutschland zuwendeten und von hier aus das größere Europa mit Gütern und Dienstleistungen versorgten.
Der Verbandspräsident führte weiter aus, dass Deutschland eine lange Reformdebatte geführt habe. Die bislang erreichten Resultate dürften aber keineswegs dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen. Er forderte, weiter darüber nachzudenken, wie die Sozialversicherungssysteme in Deutschland weniger abhängig vom Lohn gemacht werden könnten. Auch die dringend erforderliche Steuerreform, die den Unternehmen und Bürgern verlässliche Rahmenbedingungen geben müsste, dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden.
Die negative Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft und der damit einhergehende Beschäftigungsabbau sei maßgeblich auf den Rückgang der Baunachfrage zurückzuführen. Diese Entwicklung sei umso schmerzlicher, als der Baubedarf in nahezu allen Infrastrukturbereichen und in allen Sparten hinlänglich bekannt sei. Im Hinblick auf den dringend zu realisierenden Baubedarf im öffentlichen Hoch- und Tiefbau, der aufgrund der Defizite in den öffentlichen Haushalten nicht umgesetzt werden könne, müssten Finanzierungsalternativen gesucht werden, wenn der Standort Deutschland nicht aufs Spiel gesetzt werden solle.
Wörtlich meinte Warmbold: „Deutschland wird nur dann seine wirtschaftlichen Probleme überwinden, wenn der Investitionsmotor wieder anspringt. Öffentliche Investitionen und hierbei vor allem Bauinvestitionen müssen als Signalwirkung eine Vorreiterrolle einnehmen. Allerdings müssen wir feststellen, dass der Staat schon seit Jahren zur Bedienung der konsumtiven Haushalte dazu übergegangen ist, die erforderlichen Finanzmittel bei den Investitionen und hier überwiegend bei den Bauinvestitionen zu kürzen.“ Diese Politik sei aus volkswirtschaftlicher und betrieblicher Sicht unverantwortlich, weil die Infrastruktur des Landes mehr und mehr verkomme, Deutschland seine ehemals hervorragenden Standortvorteile verspiele und damit die wirtschaftlichen Zukunftschancen an andere Länder abtrete.
Hochschultag der Bauindustrie 2004: Studium muss zum Beruf befähigen
(brb).- Der Hochschultag der Bauindustrie 2004 führte Anfang November 2004 Professoren niedersächsischer und bremischer Universitäten und Fachhochschulen, Bauunternehmer sowie Vertreter öffentlicher Auftraggeber auf Einladung des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen und der Ingenieurkammer Niedersachsen im Ausbildungszentrum Mellendorf der Bauindustrie zusammen.
Der Präsident des Verbandes, Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold, betonte in seiner Begrüßung, dass die Veranstaltung auch nach der Fusion der Bauindustrieverbände Niedersachsen und Bremen ihren Platz behalte als Treffpunkt für einen weiterführenden fachlichen Gedankenaustausch für Wissenschaft, Bauwirtschaft und Ingenieurkammer. Das Schwerpunktthema "Neuausrichtung der Hochschulausbildung für Bauingenieure" sei für die Bauunternehmen von besonderer Bedeutung. Wenn später statt Diplom-Ingenieuren ein Bachelor oder ein Master eingestellt werden solle, erwarteten die Unternehmen akademisch vorgebildete Berufsanfänger, die zunächst als Bauleiter ihre theoretisch gewonnenen Kenntnisse in der Praxis umsetzten und sich schnell auf die betrieblichen Bedürfnisse einstellten. Beim technischen Führungspersonal dürften keine Lücken in für die Praxis wichtigen Bereichen entstehen.
Der Präsident der Ingenieurkammer Niedersachsen, Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Ing. e.h. Viktor Rizkallah, begrüßte die Teilnehmer im Namen des Mitveranstalters, der Ingenieurkammer Niedersachsen. Er rief Professoren und Bauunternehmer dazu auf, sich öffentlich den veränderten Anforderungen zu stellen.
Universitätsprofessor Dr.-Ing. Dietmar Hosser, Dekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen der Niedersächsischen Universität Braunschweig, stellte das Konzept seiner Hochschule zur Einführung der neuen Studiengänge Bachelor und Master vor. Behindert würden diese Neuerungen durch Kürzungen des Landes Niedersachsen, die die Substanz der Lehre und der Forschung gefährden könnten. In Zusammenarbeit mit dem Architektur-Fachbereich seien allerdings neue zukunftsweisende Studiengänge erarbeitet worden.
Prof. Dr. Felix Rauner, Institut Technik und Bildung, Universität Bremen, kritisierte eingangs die Studie der OECD, die Deutschland eine zu geringe Anzahl von Hochschulabsolventen bescheinigt hatte. Die Anzahl der Hochschulabsolventen würde nur geringfügig auf etwa 17 Prozent bis zum Ende dieses Jahrzehnts ansteigen. Viel entscheidender für die Qualität im Baubereich sei, dass das praktische Baustellenwissen integriert werde. Für ihn stehe im Vordergrund, dass berufsbefähigende Studiengänge erarbeitet würden, die zur Überwindung der Innovationsbarriere beitrügen.
Seine Übereinstimmung mit diesen Zielen betonte Dipl.-Ing. Boris Engelhardt vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Als Geschäftsführer des Akkreditierungsverbandes für Studiengänge des Bauwesens e. V. betonte er, dass an der bisherigen berufsbefähigenden Ausrichtung des Studiums nicht gerüttelt werden dürfe. Die Aktivitäten der Bauwirtschaft, kombiniert mit weiteren Wirtschaftsbereichen, dienten der Schadensminimierung.
Abschließend wurde über die Ergebnisse eines Forschungsvorhabens zu den Auswirkungen der Umgebungsbedingungen auf die Messergebnisse geotechnischer Messinstrumente berichtet. Universitätsprofessor Dr.-Ing. Norbert Meyer, Institut für Geotechnik und Markscheidewesen der Technischen Universität Clausthal, wies darauf hin, dass dieses Projekt aus Mitteln der Stiftung der Bauindustrie Niedersachsen-Bremen gefördert worden sei.
DIHK-Konjunkturumfrage im Herbst 2004: Bauunternehmen verharren im
Stimmungstief
(brb).- Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner aktuellen Konjunkturbefragung bei 81 Industrie- und Handelskammern in Deutschland in seiner Broschüre “Wirtschaftslage und Erwartungen im Herbst 2004” vorgelegt. Grundlage für die DIHK-Ergebnisse sind Befragungen bei über 25.000 Mitgliedsunternehmen durch die IHK`s, davon 1.500 aus der Bauwirtschaft. Die Umfrage fand überwiegend im September 2004 statt. Die Auswertung wurde Anfang Oktober abgeschlossen. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Sonderauswertung für die Bauwirtschaft dargestellt.
Die aktuelle Geschäftslage wird von den Bauunternehmen etwas positiver gesehen, als in der letzten Umfrage im Frühsommer diesen Jahres. Aber auch gegenüber Herbst 2003 hat sich die Lage leicht verbessert. Der DIHK fasst es so zusammen: “Auf der Kellertreppe eine Stufe hoch.” Für das nächste Jahr erwarten die Unternehmen allerdings eine Verschlechterung der Geschäftslage. DIHK: “Der Bau sitzt im Stimmungskeller aller vier Wirtschaftszweige”.
Dies wirkt sich sowohl auf die Investitionspläne (DIHK: Verharrung im Investitionskeller) als auch auf die Beschäftigungspläne der Bauunternehmer aus. Fast 50 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Investitionen weiter einschränken. Und die Wenigen, die investieren wollen, beschränken sich lediglich auf Ersatzinvestitionen. Aber auch die Personalkapazitäten werden weiter abgebaut: 44 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihren Personalbestand weiter einschränken. Lediglich 2 Prozent der Unternehmen denken über eine Aufstockung nach.
Die Stimmung der Bauunternehmen bleibt nach wie vor trüb: Zwar hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Frühsommer diesen Jahres etwas aufgehellt, der Saldo verbesserte sich um 6 Prozentpunkte. Gegenüber dem Vorjahr ist die Verbesserung des Saldos um einen Prozentpunkt jedoch äußerst dürftig. Mit einem Lagesaldo zwischen “gut”- und “schlecht”-Meldungen von - 30 nimmt die Bauwirtschaft aber wieder einmal die negative Spitzenposition im Branchenvergleich ein. Dies spiegelt sich auch in der Gewinnlage wieder: Auch hier schneidet die Bauwirtschaft mit einem Saldo von - 40 am schlechtesten ab (im Durchschnitt: - 10).
Ein Lichtblick liefert allerdings das ostdeutsche Baugewerbe: Gegenüber der Vorumfrage im Frühsommer verbesserte sich die Geschäftslage um 11 Prozentpunkte – und somit deutschlandweit am stärksten. Demgegenüber ist die Verbesserung im westdeutschen Baugewerbe um 5 Prozentpunkten zwar geringer, der Saldo ist mit - 28 Prozentpunkten aber besser als der gesamtdeutsche Durchschnitt.
Im Baugewerbe dominieren weiterhin die pessimistischen Töne. Der Saldo aus den “besser”- und “schlechter”-Meldungen liegt mit - 35 (Gesamtwirtschaft: + 3) deutlich unter der Frühjahrsumfrage in diesem Jahr als auch unter der Herbstumfrage im letzten Jahr. 43 Prozent der Unternehmen rechnen in den nächsten 12 Monaten mit schlechteren Geschäften, 49 Prozent rechnen mit gleichbleibender und nur 8 Prozent sehen im kommenden Jahr eine Verbesserung ihrer geschäftlichen Situation. Dies bleibt auch nicht ohne Auswirkung auf den baunahen Wirtschaftszweig “Gewinnung von Steine und Erden”: Dessen Geschäftserwartungen trüben sich ebenfalls ein.
Am schlechtesten schneidet das norddeutsche Baugewerbe mit einem dramatischen Wert von - 55 Prozentpunkten ab. Im westdeutschen Baugewerbe wird hingegen eine leichte Besserung der geschäftlichen Einschätzung erkennbar. Der DIHK sieht die Ursache in der wieder steigenden Investitionsneigung der westdeutschen Industrie, die zaghaft auch den Wirtschaftsbau ankurbelt.
Im Gegensatz zur übrigen Industrie, deren Investitionspläne sich im Vorjahresvergleich verbessert haben, schneidet die Bauwirtschaft noch schlechter ab als im Herbst letzten Jahres. Der Saldo von - 44 Prozent deutet darauf hin, dass die Investitionen der Bauunternehmen auch im nächsten Jahr weiter schrumpfen werden. Die Sonderkonjunktur im Bau infolge der Diskussion um die Abschaffung der Eigenheimzulage scheint nun auszulaufen.
Die Investitionen, die noch getätigt werden, sind reine Ersatzinvestitionen. So gaben 85 Prozent der befragten Bauunternehmen das Ersatzmotiv an. 4 Prozentpunkte mehr als noch im letzten Jahr. Über alle Branchen melden dies 64 Prozent (Vorjahr: 60 Prozent). Aber auch die Rationalisierungsinvestitionen spielen mit 28 Prozent (Vorjahr: 22 Prozent) eine wichtige Rolle (Branchendurchschnitt: 43 Prozent, Vorjahr: 37 Prozent). Demgegenüber verharrt das Motiv Produktinnovation mit 8 Prozent auf einem weiterhin niedrigen Niveau (Branchendurchschnitt: 29 Prozent, Vorjahr: 25 Prozent). Auch die Erweiterungsinvestitionen sind mit 6 Prozent vernachlässigbar gering, liegen aber um einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert. Im Durchschnitt über alle Branchen stiegen sie sogar um 5 Prozentpunkte auf 20 Prozent. Anmerkung: Mehrfachmeldungen sind möglich.
Am schlechtesten schneidet das norddeutsche Baugewerbe ab. Dort werden die Investitionen regelrecht einbrechen: Der Planungssaldo der Bauunternehmen sackt um 9 Prozentpunkte auf - 63 Prozentpunkte ab. Gerade einmal jedes hundertste Unternehmen der Baubranche plant höhere Investitionen – so niedrig ist der Anteil investitionsfreudiger Bauunternehmen in keiner anderen Region Deutschlands. Anders die Bauunternehmen des Westens. Hier machen sich die verbesserten Geschäftserwartungen bemerkbar: Die Investitionslaune verbessert sich spürbar.
Die Beschäftigungspläne sind weiterhin äußerst restriktiv. Lediglich 2 Prozent der befragten Bauunternehmen planen eine Ausweitung ihres Personalbestandes. 44 Prozent wollen ihre Belegschaft sogar noch weiter abbauen. Gegenüber Herbst letzten Jahres bleibt der Beschäftigungssaldo mit - 42 Prozentpunkten konstant. Gegenüber der Frühsommerumfrage weist dieser allerdings eine Verschlechterung um 5 Prozentpunkte auf.
Im Gegensatz zum gesamtdeutschen Durchschnitt verbessern sich die Beschäftigungspläne der norddeutschen Bauunternehmen. Jedoch vollzieht sich die positive Entwicklung von einem sehr niedrigen Niveau aus und wird nur dadurch gestützt, dass mehr Unternehmen als in der Vorjahresumfrage ihre Belegschaft konstant halten wollen. Da nahezu kein Bauunternehmen plant, im nächsten Jahr zusätzliches Personal einzustellen, bleiben die Beschäftigungsaussichten weiterhin trübe.
Die Chancen überwiegen
(brb).- Angst ist schon ein merkwürdiges Phänomen. Manche sehen alles in bedrückenden düsteren Farben oder malen es nur schwarz in schwarz. Viele haben schlechte Träume, wenn sie sich vorstellen, was möglicherweise morgen und übermorgen auf sie zukommen könnte. Mittlerweile sind lähmende Zukunftsängste beinahe schon eine Modekrankheit. Sie ist nicht präzise zu beschreiben, und ihre Ursachen lassen sich nicht genau bestimmen. Dennoch ist diese Malaise allerorten zu erkennen, sie hat Auswirkungen, und sie muss deshalb besonders ernstgenommen werden.
Europa, um ein Stichwort zu nennen, könnte ein Grund für die wachsende Angst vor der Zukunft sein. Kaum einer unserer Zeitgenossen hat zutreffende Kenntnisse über die im Zuge der Osterweiterung zur Europäischen Union gestoßenen Staaten, über ihre Geschichte, ihre Strukturen, ihre Schwächen. Dennoch meinen die einen zu wissen, dass Polen oder Lettland mit billigen und fleißigen Arbeitskräften deutsche Unternehmen anlocken werden wie der Honig die Fliegen anzieht. Und die anderen sind sich ganz sicher, osteuropäische Firmen werden mit ihren Preisen (und Methoden) die westeuropäischen Konkurrenten auf den Märkten das Fürchten lehren oder sie sogar aus dem Felde schlagen.
Dabei gibt es keinen Anlass für Resignation oder Panik. Risiken sind vorhanden, das lässt sich nicht leugnen. Doch die neue, größere Europäische Gemeinschaft, die vielleicht eines Tage eine politische Union sein wird, bietet tatsächlich neue, größere Chancen. Das gilt nicht zuletzt für Niedersachsen, seine Wirtschaft und seine Menschen. Das Land, das während der deutschen Teilung für nahezu ein halbes Jahrhundert am äußersten Rande Deutschlands und Europas lag, hat seine günstige Lage in der Mitte, als Schnittpunkt der Nord-Süd- und der West-Ost-Achsen wieder erlangt. Unzweifelhaft lässt sich daraus viel machen.
Das setzt allerdings Phantasie voraus. Tatkraft, Unternehmenslust – und höhere Investitionen. Sie sind in den zurückliegenden Jahren sträflich vernachlässigt worden. Die Infrastruktur hierzulande muss gestärkt werden, die Zukunftsfähigkeit der hochbelasteten Verkehrswege ist endlich herzustellen, in den Bau muss wieder Geld gesteckt werden. Wenn das geschieht, dann wird niemand mehr angstvoll wie das Häschen vor der Schlange abwarten, was kommen wird, sondern mutig, selbstbewusst und entschlossen nach vorn sehen.
Deutschland hinkt hinterher
(brb).- In einer Großen Anfrage der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag an die Bundesregierung wird die Immobilienwirtschaft als wichtiger Wirtschaftszweig Deutschlands eingeschätzt. Allein durch Vermietung und Immobilientransaktionen trage sie rd. 300 Milliarden Euro jährlich zur deutschen Wertschöpfung bei. Hinzu kämen noch einmal rd. 210 Milliarden Euro an Bauinvestitionen. Insgesamt seien rd. 3,8 der gut 8,4 Billionen Euro des privaten Vermögens in Deutschland in Immobilienwerten investiert.
Gleichzeitig sei der Immobilienumsatz Spiegelbild der Konjunktur und damit seit Jahren rückläufig. Es sei Gradmesser für zurückgehende Investitionen und abnehmende Nachfrage. So sei der Immobilenumsatz im Jahre 2000 gegenüber dem Vorjahr um 16,4 Prozent, 2001 um 4,4 Prozent und 2003 um 3,5 Prozent geschrumpft. Der Auftragseingang beim Bau sei seit vielen jahren rückläufig und Experten befürchteten einen weiteren Rückgang um bis zu einem Drittel.
Hinzu komme, dass der Eigentumsanteil der Immobilienwerte am Gesamtvermögen mit 42 Prozent in Deutschland im europäischen Vergelcih an vorletzter Stelle liege. Beim europäischen Spitzenreiter Italien betrüge der entsprechende Wert 77 Prozent. Ursache hierfür seien neben steuerlcihen Rahmenbedingungen und fehlenden Anreizen auch Unsicherheiten bei Immobilientransaktionen, die sich insbesondere aus der Ausgestaltung der Maklerbranche in Deutschland ergäben.
Bundesregierung weicht aus
(brb).- Der Bundesregierung ist es grundsätzlich nicht möglich, die fiskalischen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt von der Fertigstellung von 50.000 zusätzlichen Einheiten an Ein- und Zweifamilienhäusern anzugeben. Dies teilte die Bundesregierung u. a. auf eine große Anfrage der CDU/CSU Bundesfraktion zur Zukunft der Immobilienwirtschaft mit. Sie geht vielmehr davon aus, dass sich den Wirtschaftsobjekten jeweils alternative Verwendungen anbieten, die ähnlichen Einfluss auf den Wirtschaftskreislauf einschließlich Steueraufkommen haben. Der Versuch, dies in einer ökonomischen Studie zu erfassen und vorauszuberechnen, wird als nicht sinnvoll eingestuft.
Die Bundesregierung erkennt an, dass der Vorteil des Wohneigentums während der Altersphase vor allem im mietfreien Wohnen und dadurch im Vergleich zu Mieterhaushalten wesentlich geringeren Belastungen liegt.
KURZ NOTIERT
(brb).- Im August 2004 sank die Zahl der genehmigten Wohnungen in den alten Bundesländern im Vorjahresvergleich um 8,7 Prozent. Dagegen erhöhten sich die Baugenehmigungen für Wirtschaftsgebäude (in cbm) um 15,8 Prozent und dir für öffentliche Gebäude (in cbm) um 49,5 Prozent.
In den neuen Bundesländern sank die Zahl der genehmigten Wohnungen im August 2004 im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent. Die Baugenehmigungen für Wirtschaftsgebäude (in cbm) gingen um 13,7 Prozent zurück und die für öffentliche Gebäude (in cbm) um 55,9 Prozent zurück.
(brb).- Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe betrug im August 2004 2.915 Mill. EUR und lag damit real um 3,8 Prozent unter dem Stand des Vorjahres.
In den neuen Bundesländern erreichte der Auftragseingang im August 2004 895 Mill. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Rückgang von real 4,9 Prozent.
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Technik & Umsetzung: Diplom-Informatiker Peter Sinner
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