Logo

Baurundblick

Nr. 10/2004
28. Oktober 2004



In dieser Ausgabe u.a.

- Informationsveranstaltung über Public Private Partnership im kommunalen Hochbau
- Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im August 2004
- Verschlechterung der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand
- Der aktuelle Kommentar: Die ersten 6 Monate
- Helmut Echterhoff neuer Vizepräsident Wirtschaftspolitik der deutschen Bauindustrie


Informationsveranstaltung über Public Private Partnership im kommunalen Hochbau

(brb).- Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, die NBank und der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen haben am 14. September 2004 ein Fachgespräch zum Thema "Einstieg in ein PPP-Projekt - Erste Schritte für erfolgreiches PPP in Kommunen" durchgeführt.

Es handelte sich hierbei um eine Folgeveranstaltung für besonders an PPP interessierte niedersächsische Kommunen, die im Anschluss an ein erstes Fachgespräch am 28. April 2004 unter dem Titel "Kommunale Investitionen und PPP - Eine Möglichkeit zur Behebung des kommunalen Investitionsstaus!" stattfand.

Das Fachgespräch wurde eingeleitet durch einen Vortrag von Prof. Dr. Dieter Jacob von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, der bereits für mehrere PPP-Projekte in Nordrhein-Westfalen die Machbarkeitsstudien erstellt hat, die den Einstieg in das jeweilige Projekt darstellen. Des Weiteren hat er die entsprechenden Kommunen vom Ausschreibungsverfahren bis zur Zuschlagserteilung beraten und verfügt daher über fundierte Erfahrungen bei der Realisierung von PPP-Projekten, insbesondere im Schulbereich.

In seinem Vortrag stellte Prof. Jacob einleitend klar, dass es sich bei PPP-Projekten nicht um ein Allheilmittel zur Überwindung kommunaler Haushaltsdefizite handele, sondern um eine weitere Alternative zur Realisierung von Neubau- und Sanierungsprojekten im kommunalen Hochbau. Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen hätten gezeigt, dass mit diesem Instrument Wirtschaftlichkeitsvorteile von zehn Prozent und mehr erreicht werden könnten.

In einer ausführlichen Diskussion wurden anschließend die Anforderungen, aber vor allem die Chancen erörtert, die mit der Realisierung von PPP-Projekten im kommunalen Hochbau verbunden sind. Die Teilnehmer zeigten sich zuversichtlich, dass in absehbarer Zeit auch in Niedersachsen PPP-Pilotprojekte im Schulbereich auf den Weg gebracht werden.

Zur Unterstützung bei der Realisierung von PPP-Projekten im kommunalen Hochbau stellt das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit über die NBank Fördermittel für fünf Pilotprojekte bereit. Zwei Anträge von Kommunen sind bereits angekündigt. Weitere formlos einzureichende Anträge können noch bis Ende Oktober 2004 gestellt werden.


Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im August 2004

(brb).- Nach den Ergebnissen des jüngsten ifo Konjunkturtests hat sich das Geschäftsklima im westdeutschen Bauhauptgewerbe im August zwar etwas aufgehellt, es ist aber immer noch deutlich schlechter als in den ersten Monaten des Jahres. Die aktuelle Geschäftslage wurde von den befragten Unternehmen nicht mehr ganz so ungünstig beurteilt wie im Vormonat; die Skepsis in den Geschäftserwartungen nahm wieder ab. Der Ausnutzungsgrad der Geräte hat sich saison- und witterungsbereinigt nicht verändert; mit 59 Prozent waren die Kapazitäten genauso „gut“ ausgelastet wie vor Jahresfrist.

Die Auftragsreserven waren im Durchschnitt der Bausparten so groß wie im Juli; mit 2,2 Monaten (saison- und witterungsbereinigt) ereichten sie auch genau den Vorjahreswert. Der Anteil der Testfirmen, die ihre Auftragssituation als unbefriedigend bezeichneten, erhöhte sich sogar noch; per saldo waren 70 Prozent der Testteilnehmer mit ihren Auftragsbeständen unzufrieden. Die Firmenmeldungen deuten darauf hin, dass der Druck auf die Preise etwas nachgelassen hat. Für die nächsten Monate rechnete die Testteilnehmer mit eher moderat steigenden Preisen. Der Personalabbau dürfte sich geringfügig abschwächen: Im August beabsichtigten 39 Prozent der Unternehmen eine Verringerung ihres Beschäftigtenstandes, vor einem Jahr waren es noch 45 Prozent.

Nach einer Sonderfrage haben sich die „mittelfristigen Geschäftserwartungen“ der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. So gingen 78 Prozent bzw. 50 Prozent der Unternehmen davon aus, dass ihre Geschäftslage im 1. bzw. 2. Quartal 2005 „schlecht“ wird; vor einem Jahr lagen die entsprechenden Anteilswerte bei 76 Prozent bzw. 54 Prozent. Lediglich 2 Prozent bzw. 4 Prozent antworteten mit „gut“, vor einem Jahr waren es exakt genauso viele.

Im Hochbau haben sich in allen drei Hochbausparten die Urteile zur aktuellen Geschäftslage verschlechtert: Der Pessimismus in den Geschäftserwartungen ist demgegenüber sowohl im Wohnungsbau als auch im öffentlichen Hochbau geringer geworden. Im gewerblichen Hochbau sah man bereits in den letzten Monaten der zukünftigen Entwicklung weniger skeptisch entgegen. Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten betrug wie im Juli 58 Prozent, der Vorjahreswert wurde um 1 Prozentpunkt übertroffen.

Die Reichweite der Auftragsbestände verkürzte sich im Wohnungsbau von 1,9 Monate auf 1,8 Monate, im gewerblichen bzw. öffentlichen Hochbau verharrten die Auftragsreserven dagegen bei 2,6 bzw. 2,1 Monaten. Im Durchschnitt der Hochbausparten wiesen die Unternehmen - wie im Vorjahr - Auftragspolster in Höhe von 2,1 Monaten auf. Der Anteil der Testteilnehmer, die ihre Auftragsbestände als zu klein bezeichneten steig erneut an und erreichte 71 Prozent. Nach den Firmenmeldungen zu schließen, hat im August der Druck auf die Preise nachgelassen. In allen drei Hochbausparten gingen die Testfirmen davon aus, dass sie in den nächsten Monaten die Preise anheben können.

Im Tiefbau beurteilten die befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage nicht mehr so negativ wie in den beiden vorangegangenen Monaten. In den Geschäftserwartungen für das nächste halbe Jahr ließ die Skepsis etwas nach. Bei verhaltener Bautätigkeit hat sich der Auslastungsgrad des Maschinenparks gegenüber dem Vormonat nicht verändert; mit 59 Prozent war er 2 Prozentpunkte kleiner als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Im Straßenbau reichten die Auftragsbestände wie im Juli für 2,2 Produktionsmonate, im sonstigen Tiefbau verkürzten sie sich von 2,5 auf 2,3 Monate. Im Durchschnitt der Tiefbausparten waren die Auftragsreserven mit 2,3 Monaten erneut geringfügig kleiner als vor Jahresfrist (2,4 Monate). Der Anteil der Unternehmen, die mit ihrer Auftragslage unzufrieden waren, veränderte sich kaum; per saldo bezeichneten zwei von drei Testfirmen ihre Auftragspolster als zu dünn. Den Firmenangaben zufolge mussten die Preise im Berichtsmonat zurückgenommen werden. Die Testteilnehmer gingen jedoch davon aus, dass sie in den nächsten Monaten bescheidene Preisanhebungen durchsetzen können.

Im Fertigteilhochbau fielen die Urteile zur aktuellen Situation ähnlich ungünstig aus wie im Vormonat, aber auch der vorsichtige Optimismus hinsichtlich der künftigen Geschäftsentwicklung hielt an. Der Gerätepark wurde unerheblich intensiver genutzt als im Juli; mit 69 Prozent waren die Maschinen genauso gut ausgelastet wie in der vergleichbaren Vorjahreszeit.

Nach den Unternehmensmeldungen erhöhten sich die Auftragsreserven gegenüber dem Vormonat um 0,2 Monate. Mit 3,5 Monaten wurde der Vorjahreswert (3,2 Monate) übertroffen. Demzufolge nahm auch die Unzufriedenheit mit der Auftragssituation ab: 40 Prozent der befragten Firmen bezeichneten ihre Auftragsbestände als zu gering. Die Meldungen der Testteilnehmer deuten darauf hin, dass die Preise allenfalls vereinzelt erhöht wurden. Für die kommenden Monate gingen die Firmen davon aus, dass sich die Spielräume für Preisanhebungen weiter verringern.


Verschlechterung der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand

(brb).- Die Zahlungsmoral der öffentlichen Kunden in der Bauwirtschaft hat sich in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert. Eine Umfrage der Creditreform unter 664 Unternehmen des Baugewerbes ergab, dass sich in diesem Jahr lediglich 55,5 Prozent der Befragten über die fristgerechte Begleichung der Rechnungen durch ihre öffentlichen Kunden freuen konnten. Im letzten Jahr meldeten dies noch 57,4 Prozent. Der Rest musste länger als 30 Tage auf die Bezahlung der offenen Forderung warten. 6 Prozent gaben sogar an, länger als 90 Tage auf ihr Geld warten zu müssen.

Insbesondere größere Unternehmen leiden unter der schlechten Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber. Gerade einmal 46,0 Prozent der befragten Bauunternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten meldeten einen pünktlichen Zahlungseingang. Vor einem Jahr waren es noch 51,7 Prozent. Dagegen meldeten zwei Drittel der Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten eine fristgerechte Bezahlung (2003: 62,9 Prozent).

Im Gegensatz zu den öffentlichen Kunden hat sich die Zahlungsmoral der privaten Kunden deutlich verbessert. Immerhin sind bei 76,4 Prozent der Bauunternehmen die Rechnungen innerhalb der ersten 30 Tage beglichen worden; 5,6 Prozent-Punkte mehr als noch vor einem Jahr. Diese Entwicklung führt im Durchschnitt zu einer Verbesserung der Zahlungsmoral: Der Anteil der gesamten Kunden die es mit einer fristgerechten Begleichung ihrer Forderungen genau nehmen, ist von 64,4 Prozent auf 67,0 Prozent gestiegen.


Der aktuelle Kommentar: Die ersten 6 Monate

(brb).- Die von den Statistikern ermittelten neuen Daten aus der deutschen Bauwirtschaft sind bedrückend. Aus den ersten sechs Monaten des allmählich auslaufenden Jahres gibt es nur rote Zahlen. Die Bauproduktion ist eingebrochen, in Niedersachsen überdurchschnittlich stark. Der Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahr spürbar verringert. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ist noch einmal zurückgegangen. Die Beschäftigung hat weiter abgenommen. Auftragseingang und Auftragsbestand sind wieder geschrumpft.

Am Horizont ist kein noch so schwacher Silberstreif zu erkennen: Wie soll es weiter gehen, wie lang wird die Durststrecke noch sein? Alle Messdaten deuten darauf hin, dass das Tal der Tränen vermutlich auch in der nahen Zukunft der düstere Standort der deutschen Bauwirtschaft sein wird. Und die existentiellen Nöte der Bauunternehmen und ihrer Mitarbeiter bereiten längst schon denen wachsende Sorgen, deren Wohlergehen mit dem des Baugewerbes verknüpft ist.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, ist allenthalben zu hören. Aber wer in seinen Erwartungen derart lange schon enttäuscht worden ist wie die Leute vom Bau, dem fällt es irgendwann schwer, auf bessere Zeiten zu hoffen. Bei realistischer Einschätzung der Situation ist auch im letzten Quartal dieses Jahres nicht mit einer Wende für die Bauwirtschaft zu rechnen. So bitter es klingt: 2004 ist gelaufen und kann abgehakt werden.

Um so wichtiger ist es, jetzt alles daran zu setzen, damit die Weichen für 2005 richtig gestellt werden. Es ist doch derart viel zu tun, und bei der, zugegeben engen, Haushaltslage ließe sich vieles, vielleicht das meiste privat finanzieren. Die Bauwirtschaft ist übrigens ein Konjunkturmotor, den Zuständigen in Ministerien und Rathäusern, Parlamenten und Räten kann es nicht oft genug gesagt werden. Der Schlüssel, mit dem dieser Motor zu starten ist, liegt in der öffentlichen Hand


Helmut Echterhoff neuer Vizepräsident Wirtschaftspolitik der deutschen Bauindustrie

(brb).- Dipl.-Ing. Helmut Echterhoff, Bauunternehmung Gebr. Echterhoff GmbH + Co. KG, Westerkappeln-Velpe, ist zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftspolitischen Hauptausschusses und damit zum neuen Vizepräsidenten Wirtschaftspolitik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie gewählt worden.

Echterhoff hat seit 20 Jahren die bauwirtschaftspolitischen Interessen der niedersächsischen Bauindustrie auf Landes- und Bundesebene vertreten und ist Mitglied des Präsidiums im Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen.


Politik vernachlässigt Investitionsgestaltung in den öffentlichen Haushalten

(brb).- Mobilität und eine gut ausgebaute Infrastruktur waren schon immer ein Garant für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung in unserem Land. Allerdings wird dieser Zusammenhang in den Haushalten des Bundes, Niedersachsens und auch der Kommunen sträflich vernachlässigt. Auf diesen Aspekt weist der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen hin.

So wurden im Bundesverkehrswegeplan für das Jahr 2003 - dieses Instrument hat immerhin gesetzesähnlichen Charakter - jahresdurchschnittlich knapp sechs Milliarden Euro für den vordringlichen Bedarf für Bundesfernstraßen festgestellt und von der Bundesregierung beschlossen. Laut Bundeshaushaltsplanung 2004 werden dagegen für Investitionen unserer Bundesfernstraßen gerade einmal 4,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Es klafft also eine Lücke allein in diesem wichtigen Verkehrsbereich in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Haushaltspolitik wird damit immer mehr zum Spielball kurzfristiger und ideologischer Interessen. Sie wird zur Farce, wenn die gegebenen Investitonsgestaltungschancen nicht nachhaltig genutzt werden.


KURZ NOTIERT

(brb).- Im Juli 2004 sank die Zahl der genehmigten Wohnungen in den alten Bundesländern im Vorjahresvergleich um 14,7 Prozent. Die Baugenehmigungen für Wirtschaftsgebäude (in cbm) sanken um 11,8 Prozent. Dagegen stiegen die für öffentliche Gebäude (in cbm) um 55,6 Prozent.

In den neuen Bundesländern sank die Zahl der genehmigten Wohnungen im Juli 2004 im Vergleich zum Vorjahr um 29,1 Prozent. Die Baugenehmigungen für Wirtschaftsgebäude (in cbm) gingen um 6,2 Prozent zurück und die für öffentliche Gebäude (in cbm) erhöhten sich um 46,8 Prozent.

(brb).- Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe in den alten Bundesländern betrug im Juli 2004 3.014 Mill. EUR und lag damit real um 13,8 Prozent unter dem Stand des Vorjahres.

In den neuen Bundesländern erreichte der Auftragseingang im Juli 2004 852 Mill. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Rückgang von real 21,9 Prozent.

(brb).- Im September 2004 stieg die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,6 Prozent auf 104.478. Die Zahl der Kurzarbeiter im Baugewerbe betrugt 13.425. Das waren 7,0 Prozent mehr als im September 2003.

In den neuen Bundesländern betrug die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen im September 2004 127.982. Sie lag damit um 0,1 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Die Zahl der Kurzarbeiter im Baugewerbe stieg im Vorjahresvergleich um 19,0 Prozent auf 3.807.

Ab Januar 2004 werden Arbeitslose, die an Trainingsmaßnahmen teilnehmen, nicht mehr statistisch zu den Arbeitslosen gezählt. Ein Vergleich mit den Werten der Vorjahre ist somit nur eingeschränkt möglich. Des Weiteren haben sich die Daten von 2001 bis 2003 aufgrund eines neuen EDV-Programms in der BA leicht geändert.


Impressum

Druckerei Gebrüder Höltje GmbH
Escherstraße 22, 30159 Hannover
Telefon (0511) 7 00 08 60
Telefax (0511) 7 00 86 86
ISDN (0511) 7 00 86 71
Norddeutsche Landesbank
Girozentrale
Konto 101020964, BLZ 250 500 00
Sparkasse Hannover
Konto 547 646, BLZ 250 501 80
Amtsgericht Hannover HRB 55659
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 178247194

Verantwortlich: Dr. Hans-Peter Sattler

Technik & Umsetzung: Diplom-Informatiker Peter Sinner

Nachdruck, auch auszugsweise gestattet. Quellenangabe und Belegexemplar erbeten.

Weitere baurelevante Informationen