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Baurundblick

Nr. 8/2003
28. August 2003



In dieser Ausgabe u.a.

- Immer noch skeptische Lagebeurteilung der Bauindustrie im Norden
- Weiterer Rückschlag für die Baukonjunktur in Niedersachsen
- Entwurf des Bundeshaushaltes 2004: 100 Mio. Euro weniger für Verkehrsinvestitionen
- Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse der Bauunternehmen im Jahr 2001
- Der aktuelle Kommentar: Hoffnung stirbt
- Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im Juli 2003
- KURZ NOTIERT

Immer noch skeptische Lagebeurteilung der Bauindustrie im Norden

(brb).- In der Bauindustrie in Bremen und Nordniedersachsen wurde in den letzten zwölf Monaten wieder Personal abgebaut. Insgesamt mussten 7,3 Prozent der gewerblichen Mitarbeiter entlassen werden. Betroffen war das gesamte Erhebungsgebiet, Bremen mit einem Rückgang von 10,5 Prozent, Nordniedersachsen mit einem Rückgang von 5,2 Prozent.

Besonders stark war der Personalabbau im Hochbau. Das Minus von insgesamt 18 Prozent wurde besonders durch die katastrophale Lage in Bremen ausgelöst. Hier betrug die Abbauquote mehr als 30 Prozent: Im Hochbau 12,3 Prozent, im Wohnungsbau 72,1 Prozent, im Fertigteilbau 100 Prozent. In Nordniedersachsen fiel der Personalrückgang im Hochbau nicht ganz so deutlich aus, aber auch hier mussten rund 8 Prozent der gewerblichen Mitarbeiter entlassen werden.

Im norddeutschen Tiefbau, wo knapp die Hälfte aller gewerblichen Mitarbeiter tätig sind, verminderte sich der Personalbestand in den beiden Regionen um insgesamt 3 Prozent. Hier fiel der Abbau in Nordniedersachsen mit 4,6 Prozent wesentlich deutlicher aus als in Bremen (-0,6 Prozent). Am stabilsten ist zur Zeit die Personalsituation im Spezialbau mit einem Minus von insgesamt 1,6 Prozent, ausschließlich ausgelöst in Nordniedersachsen. Allerdings ist hier insgesamt für die nächsten Monate ein weiterer Personalabbau von 4,4 Prozent geplant. Der Spezialbau umfasst die wichtigen Spezialtätigkeitsfelder Rohrleitungsbau, Sportplatzbau, Küstenschutz und Erdbewegungen sowie den gesamten industriellen Ausbausektor (Isolierarbeiten, Trockenbau). Hier sind 25 Prozent aller gewerblichen Mitarbeiter tätig.

Ein wichtiges Mittel der Personalanpassung ist nach wie vor die Kurzarbeit. 32 Prozent der befragten Unternehmen sind mit zum Teil mehr als zwei Dritteln ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit. 36 Prozent waren darüber hinaus gezwungen, Entlassungen vorzunehmen, um notwendige Personalanpassungen durchzuführen.

Erfreulicherweise ist die Zahl der gewerblichen Auszubildenden trotz dieser Entwicklung nicht gesunken, sondern sogar um 3,4 Prozent gestiegen.

Der Auftragsbestand aller Unternehmen der Bauindustrie in Bremen und Nordniedersachsen hat überwiegend eine Reichweite von nur 3 bis 5 Wochen. Das ist für perspektivische Überlegungen in Unternehmen unzureichend. Allerdings zeigen das gewichtete Mittel (Modus) ebenso wie das arithmetische Mittel eine leicht positive Tendenz. Dies hängt mit einigen wenigen Langfristaufträgen zusammen. Im Hochbau liegt der Auftragsbestand insgesamt bei 6 bis 8 Wochen. Hier ist in beiden Bundesländern eine leichte Verbesserung eingetreten.

Im Tiefbau verfügt der Großteil der befragten Unternehmen nur über Auftragsbestände für die nächsten 3 bis 5 Wochen, was dem Vorjahreswert entspricht.

Im norddeutschen Spezialbau hat sich die Situation verschlechtert. Die wichtigste Beschäftigungsklasse liegt bei nur noch 0 bis 2 Wochen.

70 Prozent aller befragten Unternehmen beurteilen ihre Auftragsbestände als zu klein. Über verhältnismäßig große Auftragsbestände verfügen immerhin 7 Prozent der Unternehmen.

Die Auslastung der Maschinenkapazitäten ist nach wie vor sehr niedrig. Bei 57 Prozent der Befragten ist die Auslastung geringer als vor einem Jahr. Entsprechend ist auch die Investitionsbereitschaft weiter gesunken. Sie ist bei 67 Prozent der befragten Unternehmer kleiner als im Vorjahr. Die Entwicklung im Bereich öffentlicher Aufträge kann in Bremen als durchaus positiv bezeichnet werden. Immerhin 20 Prozent der Unternehmen verfügen über einen größeren Bestand an öffentlichen Aufträgen als vor einem Jahr. Ausschreibungs- und Vergabetätigkeit werden von jeweils 12 Prozent der Befragten als größer eingeschätzt. In Nordniedersachsen dagegen ist im Bereich der öffentlichen Aufträge bei 57 Prozent der Befragten der Auftragsbestand kleiner als vor einem Jahr. 60 Prozent beobachteten eine geringere Ausschreibungstätigkeit, sogar 71 Prozent eine geringere Vergabetätigkeit.

70 Prozent der Unternehmen der Bremer Bauindustrie und 79 Prozent der Unternehmen der Bauindustrie Nordniedersachsens erwirtschaften mehr als 30 Prozent ihres Gesamtumsatzes aus Aufträgen der öffentlichen Hand.

Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihre heutige Situation schlechter ein als im Vorjahr. Auch die Perspektiven für die Zukunft sind pessimistisch: 47 Prozent der Befragten erwartet eine weitere Verschlechterung der Geschäftslage im nächsten halben Jahr.

Das größte Problem der Bremer Bauwirtschaft ist unverändert das unauskömmliche Preisniveau, begleitet von einem Rückgang der Baunachfrage und der schlechten Zahlungsmoral der Auftraggeber. Außerdem genannt werden die Kostenbelastung und mangelnde Flexibilität im Personalbereich sowie das VOB-widrige, d.h. vertragsrechtlich problematische Verhalten der Auftraggeber.

Am Baumarkt hat sich nach Erfahrung der Firmen eine Einkaufsmentalität ergeben, die sich vorherrschend am billigsten Preis und nicht an der Leistung orientiert. Dies gefährdet auf Dauer die Konstanz der Bauqualität mit erheblichen negativen Auswirkungen für die Bauherren. Da der Lohn mit einem Anteil von 40 bis 60 Prozent die entscheidende Kostengröße am Bau ist (bei anderen Investitionsgüter produzierenden Branchen werden hier meist nur etwa 20 Prozent erreicht), scheinen "Billiglohnangebote", basierend auf fachunkundigem Personal, verlockend zu sein. Sie sind förmlich eine Einladung zur Nichteinhaltung gesetzlicher und technischer Vorgaben. Mittel- und langfristig sieht das Bild daher betriebswirtschaftlich gesehen für den Bauherren und volkswirtschaftlich im kommunalen Verbund unerfreulich aus. Qualität hat eben ihren Preis.

Weiterer Rückschlag für die Baukonjunktur in Niedersachsen

(brb).- Die statistischen Zahlen für das Bauhauptgewerbe in Niedersachsen mit Stand April 2003 weisen einen weiteren Rückschlag für die baukonjunkturelle Entwicklung aus. Die Bauproduktion, gemessen in geleisteten Arbeitsstunden, ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres in fast allen Bausparten im zweistelligen Bereich gesunken. Insgesamt betrug das Minus 11,9 Prozent. Den stärksten Einbruch gab es im Bereich des öffentlichen Hochbaus mit einem Minus von 18,4 Prozent.

Ähnlich verlief die Entwicklung bei den Auftragseingängen, die insgesamt ein Minus von 11,8 Prozent auswiesen. Hier gab es eine etwas stärkere Differenzierung zwischen Hoch- und Tiefbau. Ersterer ging - vor allem verursacht durch einen Rückgang im Bereich des Wohnungsbaus von fast 23 Prozent - um insgesamt 14,6 Prozent zurück, wohingegen der Tiefbau einen Einbruch von 8,4 Prozent zu verkraften hatte.

Auf den ersten Blick positiv stellt sich die Situation bei den erteilten Baugenehmigungen dar, die einen Frühindikator für die Baunachfrage darstellen. Diese zogen in den ersten vier Monaten gegenüber dem Vergleichszeitraum um 14,9 Prozent an. Maßgeblich getragen wurde dieser Wert durch einen Anstieg von fast 25 Prozent im Bereich der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie einem Zuwachs bei den gewerblichen Betriebsgebäuden von 17,6 Prozent.

Der Anstieg bei den Wohngebäuden dürfte indes maßgeblich auf die Diskussion um die Kürzung der Eigenheimzulage zurückzuführen sein. Es handelt sich somit um einen reinen Vorzieheffekt ohne nachhaltig dauerhafte Wirkung.

Die Steigerung der Nachfrage bei den Nichtwohngebäuden stellt den einzigen Lichtblick im Rahmen der baustatistischen Daten dar. Auch hier aber bleibt fraglich, ob die erteilten Baugenehmigungen auch wirklich entsprechende Nachfrage auslösen. Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass insoweit kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen erteilten Baugenehmigungen und nachfolgenden Bauaufträgen steht.

Die schlechte konjunkturelle Situation schlägt sich auch bei den Beschäftigtenzahlen nieder, die um neun Prozent gesunken sind. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres hat die Zahl der Beschäftigten um 9.000 abgenommen, so dass nunmehr nur noch 79.200 Arbeitsplätze im Bauhauptgewerbe bestehen.

Entwurf des Bundeshaushaltes 2004: 100 Mio. Euro weniger für Verkehrsinvestitionen

(brb).- Im Entwurf des Bundeshaushaltes 2004, den das Bundeskabinett am 2. Juli gebilligt hat, gehen die Investitionszuschüsse des Bundes an die Deutsche Bahn AG sowie die Investitionen in Bundesfern- und -wasserstraßen um 96,1 Mio. Euro gegenüber dem Haushalts-Soll des laufenden Jahres zurück. Die Eigenheimzulage soll mit Beginn des Jahres 2004 ersatzlos gestrichen werden; 25 Prozent der auf Ebene des Bundes eingesparten Mittel sollen für eine "erweiterte Städtebauförderung" zur Verfügung gestellt werden.

Mit geplanten Investitionen in Höhe von rund 13,1 Mrd. Euro ist der Haushalt des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen nach wie vor das investitionsstärkste Einzelressort im gesamten Bundeshaushalt. Im Einzelnen sind folgende Investitionen geplant:

Verkehr

" Die Darlehen bzw. Zuschüsse des Bundes an die Deutsche Bahn AG für Investitionen in die Schienenwege sollen 2004 ein Volumen von 3,9 Mrd. Euro erreichen; dies sind 353,4 Mio. Euro bzw. 8,3 Prozent weniger als im laufenden Jahr.

" Die Investitionen des Bundes in die Bundesfernstraßen sollen knapp 4,9 Mrd. Euro betragen; dies ist ein Zuwachs von 316,6 Mio. Euro bzw. 6,9 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr.

" Die Investitionen in die Bundeswasserstraßen sollen sich auf rund 630 Mio. Euro belaufen; dies ist ein Rückgang von 59,3 Mio. Euro bzw. 8,6 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr.

" Konstant gehalten werden die Zuschüsse an Länder und Gemeinden für die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden mit 1.677 Mio. Euro.

" Für den Transrapid sind zwar Investitionen in Höhe von 212 Mio. Euro in den Haushalt eingestellt; angesichts der politischen Unsicherheiten über Streckenrealisierungen in Deutschland (nach dem Verzicht auf den Metrorapid in Nordrhein-Westfalen) muss diese Zahl zunächst einmal mit Vorsicht betrachtet werden.

Für die gesamten Verkehrsinvestitionen des Bundes, inklusive kleinerer Beträge für die Luft- und Raumfahrt sind in der mittelfristigen Finanzplanung folgende Ansätze in Mio. Euro vorgesehen:

2004
2005
2006
2007
9.759
9.810
9.859
9.900

Das Bundesministerium der Finanzen rechnet für das Jahr 2004 mit Einnahmen aus der streckenbezogenen LKW-Maut in Höhe von 2.732 Mio. Euro. Nach Abzug von 637 Mio. Euro für den Einzug dieser Maut durch Private verbleiben 2.095 Mio. Euro. Davon sollen 1.060 Mio. Euro für Investitionen in die Bundesfernstraßen, 782 Mio. Euro für die Schiene und 251 Mio. Euro für die Bundeswasserstraßen verwendet werden. Dies gleicht die Kürzung der allgemeinen Haushaltsmittel für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur nicht ganz aus; die Investitionen des Bundes in Straße, Schiene und Wasserstraße gehen um 96,1 Mio. Euro bzw. 1,0 Prozent zurück.

Die Einführung der LKW-Maut war insofern Voraussetzung dafür, dass die Verkehrswegeinvestitionen des Bundes auf ihrem hohen Niveau nahezu konstant gehalten werden konnten. Kompensiert wird das Auslaufen des Zukunftsinvestitionsprogramms, für das 2003 letztmalig 1,53 Mrd. Euro zur Verfügung stehen. In den Jahren 2001 bis 2004 (Haushaltsplanung) liegen die Investitionen des Bundes in Verkehrswege pro Jahr um gut 1 Mrd. Euro über dem Niveau der zweiten Hälfte der 90er Jahre.

Bau- und Wohnungswesen

Ob es tatsächlich zum vorgesehenen kompletten Wegfall der Eigenheimzulage kommt, hängt auch von der notwendigen Zustimmung des Bundesrates ab. Damit steht auch die vorgesehene Verwendung von 25 Prozent der auf Bundesebene eingesparten Mittel für ein neues Programm zur Strukturverbesserung in den Städten zur Disposition.

Insgesamt ergibt sich aus dem Haushalt des BMVBW im Jahr 2004 ein negativer Impuls für die Bauwirtschaft in Höhe von 120 Mio. Euro. Unter Ausklammerung des Transrapid, bei dem die geplanten Investitionen des Jahres 2004 unter Vorbehalt betrachtet werden müssen, erhöht sich der negative Impuls auf 230 Mio. Euro.

Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse der Bauunternehmen im Jahr 2001

(brb).- Im Jahre 2001 war ein weiterer Rückgang der wirtschaftlichen Leistung im Baugewerbe festzustellen. Der hier seit 1995 anhaltende Schrumpfungsprozess setzte sich verstärkt fort. Die Wertschöpfung ging um 6,5 Prozent zurück und lag um fast ein Fünftel unter dem letzten Höchststand von 1994. Dabei wiesen die Investitionen in Wohnbauten sowie gewerbliche und öffentliche Nichtwohnbauten gleichermaßen ein kräftiges Minus auf.

Besonders stark im Vergleich zu anderen Branchen fiel im Jahre 2001 die Ertragsverschlechterung im Baugewerbe aus. Erstmals seit Beginn der Unternehmensbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank im Jahre 1987 sind nach den nun vorliegenden vorläufigen Berechnungsergebnissen per Saldo keine "schwarzen Zahlen" mehr geschrieben worden. Brutto betrachtet hielten sich Gewinne und Verluste etwa die Waage. Nach Steuern wurden Verluste in der Größenordnung von 0,5 Prozent des Umsatzes ausgewiesen. Die statistische Abweichung vom Bruttoergebnis ergibt sich daraus, dass von den Unternehmen in der Gewinnzone Ertragssteuern zu entrichten waren, während Verluste größtenteils erst mit späteren Gewinnen verrechnet werden können.

Zu der weiteren Erosion der Erträge in der Baubranche hat maßgeblich beigetragen, dass die Gesamtleistung stärker gesunken ist als der wertmäßige Materialeinsatz, der die Hälfte der gesamten Aufwendungen darstellt. Offensichtlich waren die Bauunternehmen nicht in der Lage, die Verteuerung von Vorleistungen in den Baupreisen weiterzugeben; jedenfalls lag das gesamtwirtschaftliche Baupreisniveau 2001 nur um 0,2 Prozent über dem Stand von 2000, während die entsprechenden Bezugspreise für Baustoffe etwas stärker anzogen und sich Energie um 9 Prozent verteuerte. Der Materialaufwand im Baubereich ist zwar gesunken, aber weniger stark als die Gesamtleistungen, so dass auch hier die Materialaufwandsquote - ausgehend von 50 Prozent Mitte der neunziger Jahre - auf 52,5 Prozent gestiegen ist. Darin kommt ebenfalls eine Verminderung der Fertigungstiefe zum Ausdruck, die am Bau vor allem durch Auftragsvergaben an Subunternehmen immer mehr Platz greift.

In den Bilanzen der Unternehmen der Bauwirtschaft sind Aktiva und Passiva erneut geschrumpft, und zwar mit 6 Prozent noch stärker als im Jahre 2000. Von der Konjunkturabschwächung war im Jahre 2001 der Bausektor besonders stark betroffen. Hier wurde der durch die anhaltende Strukturkrise bedingte Druck auf die Erfolgsrechnung durch den zyklischen Abschwung noch verstärkt. Die Ertragskraft der Unternehmen insgesamt schwächte sich gemessen an der Umsatzrendite 2001 spürbar ab. Im Jahre 2002 hat sich - nach ersten Informationen - das Ertragsbild durch die anhaltende gesamtwirtschaftliche Stagnation weiter eingetrübt.

Der aktuelle Kommentar: Hoffnung stirbt

(brb).- Die Hoffnung, heißt es, stirbt als Letztes. Doch mittlerweile vertraut kaum noch einer der Verlässlichkeit der Redensart, wenn man nur ausreichend Geduld aufbringe, dann würden die besseren Zeiten bestimmt wieder kommen. Für die deutsche Bauwirtschaft gilt ja nicht mal mehr die biblische Konjunkturprognose, dass nach sieben mageren Jahren im Tal der Tränen sieben fette Jahre bevorstünden. Wie denn, wenn die Aufträge der öffentlichen Auftraggeber ausbleiben, obgleich doch so viel zu tun ist, das nicht angepackt wird.

Der Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2004 ist geeignet, sogar unverbesserlichen Optimisten jede Zuversicht zu nehmen. Zugegeben, der Etat ist noch nicht beschlossen und verkündet, und Änderungen in die eine, aber auch in die andere Richtung sind nicht auszuschließen. Ob die Eigenheimzulage tatsächlich gestrichen wird, ist keineswegs ausgemacht. Nicht ausgemacht ist jedoch auch, ob die Haushaltsrisiken richtig kalkuliert sind und nicht doch wieder umgeschichtetes Geld in Konsumausgaben gesteckt wird, das eigentlich zur Finanzierung von Investitionen dienen soll.

Schon dieser Entwurf bewirkt eine Kürzung der Bauausgaben des Bundes um rund 120 Millionen Euro gegenüber dem laufenden Jahr. Von dem finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Land und von den am Bettelstab gehenden Kommunen, die von der Hand in den Mund leben und dringend auf eine echt durchgreifende Gemeindefinanzierungsreform warten, sind vorerst ebenfalls keine Bauimpulse zu erwarten. Und dabei ist der vordringliche Investitionsbedarf doch bereits unübersehbar und wird, sozusagen mit jedem neuen Schlagloch, unstreitig größer von Tag zu Tag. Es ist an der Politik, rasch das Richtige zu tun - nicht nur die Bauwirtschaft und ihre Beschäftigten warten darauf.

Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im Juli 2003

(brb).- Die am ifo Konjunkturtest teilnehmenden Unternehmen des westdeutschen Bauhauptgewerbes beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage ungünstiger als im Vormonat. Die Testfirmen empfanden ihre Lage mittlerweile wieder ähnlich schlecht wie letztmals im zweiten Halbjahr 2002. Bei den Geschäftserwartungen hat sich der Anteil der skeptischen Urteile wieder vergrößert. Die Bauproduktion wurde erneut eingeschränkt. Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten lag mit 58 Prozent (saison- und witterungsbereinigt) nur knapp über dem Wert des Vorjahres. Die Reichweite der Auftragsbestände verkürzte sich im Durchschnitt der Bausparten; sie war mit 2,2 Monaten (saison- und witterungsbereinigt) 0,2 Monate kleiner als ein Jahr zuvor. Die Unzufriedenheit der Unternehmen mit ihrer Auftragslage hat spürbar zugenommen. Zwei von drei Testfirmen gaben an, dass sie ihre Auftragsbestände als unzureichend erachten. Die Firmenmeldungen lassen erkennen, dass die Preise im Juli unter Druck standen. Nach Meinung der Testteilnehmer ist in den nächsten Monaten jedoch eher mit leicht steigenden Preisen zu rechnen. Das Tempo des Personalabbaus wird sich in der nächsten Zeit nicht verlangsamen. Per saldo beabsichtigten 44 Prozent der Unternehmen eine Reduzierung ihres Beschäftigungsstandes; vor einem halben Jahr lag der entsprechende Saldo bei 40 Prozent.

Im Hochbau hat sich das Geschäftsklima beträchtlich eingetrübt. Die aktuelle Geschäftslage wurde insbesondere im Wohnungsbau ungünstiger beurteilt als im Juni. Die Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung in den nächsten sechs Monaten waren - mit Ausnahme des öffentlichen Hochbaus - von zunehmender Skepsis geprägt. Die Bautätigkeit war rückläufig. Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten betrug im Berichtsmonat 56 Prozent - ein Prozentpunkt mehr als Vorjahresfrist. Die Hälfte der Firmen meldete Behinderungen ihrer Bautätigkeiten, im wesentlichen wegen Auftragsmangel. Die Auftragsbestände erhöhten sich im gewerblichen Bau von 2,5 auf 2,6 Monate und schrumpften im Wohnungsbau bzw. im öffentlichen Hochbau auf 1,7 bzw. 2,2 Monate. Im Durchschnitt der Hochbausparten reichten die Auftragsreserven nur noch für 2,1 Produktionsmonate. Aus Sicht der Testteilnehmer hat sich ihre Auftragssituation spürbar verschlechtert. Gut 70 Prozent klagten über zu geringe Auftragsbestände. Nach den Firmenmeldungen zu schließen, waren im Juni die Preise unter Druck. Für die nächsten Monate rechneten die Testteilnehmer mit Preisanhebungen.

Im Tiefbau hat sich das Geschäftsklima weniger stark verschlechtert als im Hochbau. Die Unternehmen waren mit der aktuellen Situation ähnlich unzufrieden wir im Vormonat, und die weitere Geschäftsentwicklung wurde vermehrt skeptisch eingeschätzt. Die Meldungen über Beeinträchtigungen der Bautätigkeit waren geringer als im Hochbau. Dennoch berichteten 36 Prozent der Testteilnehmer über Auftragsmangel. Die Bauproduktion wurde etwas zurückgenommen. Der Maschinenpark war mit 59 Prozent schlechter ausgelastet als im Vormonat; vor einem Jahr erreichte die Kapazitätsauslastung den gleichen Wert. Die Austragsbestände schrumpften im Straßenbau von 2,3 auf 2,0 Monate, im sonstigen Tiefbau kletterten sie von 2,6 auf 2,7 Monate. Im Durchschnitt der Tiefbausparten betrug die Reichweite 2,4 Monate (Juli 2002: 2,5 Monate). Den Testergebnissen zufolge bleiben die Preise im Berichtsmonat unter Druck. Für die kommenden Monate gingen die Firmen aber davon aus, dass der Preisrückgang zum Stillstand kommt.

KURZ NOTIERT

(brb).- Im Juli 2003 stieg die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen in den alten Bundesländern im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,5 Prozent auf 107.515. Die Zahl der Kurzarbeiter im Baugewerbe betrug 17.248. Das waren 11,7 Prozent weniger als im Juli 2002. Die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen in den neuen Bundesländern betrug im Juli 2003 137.922. Sie lag damit um 2,2 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Die Zahl der Kurzarbeiter im Baugewerbe fiel im Vorjahresvergleich um 26,8 Prozent auf 4.687.

(brb).- Der Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe in den alten Bundesländern betrug im Mai 2003 3.066 Mill. EUR und lag damit real um 10,8 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. In den neuen Bundesländern erreichte der Auftragseingang im Mai 2003 1.015 Mill. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Rückgang von real 3,3 Prozent.






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