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Baurundblick

Nr. 6/2002
20. Juni 2002


In dieser Ausgabe u.a.

- Bauindustrie warnt: Deutsche Bahn AG kann Investitionsprogramm 2002 nicht umsetzen
- Das aktuelle Kommentar: Zu wenig für den Bau
- Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute: Baukonjunktur weiter schwach
- Bau-BG-Beitrag hat Schmerzensgrenze überschritten

Bauwirtschaft braucht Entlastung von Lohnzusatzkosten

(brb).- Es gibt noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen von den Berufsgenossenschaften, vor allem aber von der Politik. Diese Erkenntnis nahmen alle Teilnehmer einer Gesprächsrunde auf Einladung der Baugewerbe-Innung Osnabrück anlässlich der aktuellen Beitragserhöhung der Bau-Berufsgenossenschaft Hannover (Bau-BG) in der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland mit nach Hause.

Rund 60 Inhabern von Bauunternehmen, Vorstandsmitgliedern aus den Bau-Innungen im gesamten Kammerbezirk, Kammervertretern und Politikern standen der Vorstandsvorsitzende der Bau-BG, Zimmermeister Hubert Krogmann, der stv. Hauptgeschäftsführer Johann Schneck sowie der für die Beiträge zuständige Abteilungsleiter Frank Wilkeningning, Rede und Antwort. Unterstützt wurden sie von den BG-Vorstandmitgliedern Prof. Michael Sommer, zugleich Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bauindustrie, auf Arbeitgeberseite und Peter Ebbrecht auf Gewerkschaftsseite.

Um fast 40 Prozent sei der Beitrag zur Bau-BG in den letzten fünf Jahren gestiegen. Für einen mittleren Betrieb mit 50 Mitarbeitern mache das rund 40.000 Euro an Mehrkosten aus, stellt Armin Kirchner, Obermeister der Baugewerbe-Innung Osnabrück, in seinem einführenden Referat fest. Der Durchschnittsbeitrag übersteige den aller anderen Berufsgenossenschaften zusammen um das Dreifache. Angesichts der konjunkturellen Situation der Bauwirtschaft sei für viele Betriebe die Schmerzgrenze überschritten.

Da die Finanzierung der Leistungen im jeweils laufenden Jahr durch Vorschüsse erfolge, die dann durch die Einnahmen des nächsten Jahres gedeckt würden, hätten immer weniger Betriebe mit weniger Mitarbeitern steigende Ausgaben zu zahlen. Trotz kritischer Anmerkungen zu Bürokratie, Serviceleistungen und Effizienz der insgesamt 36 deutschen Berufsgenossenschaften als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung wurde deren Nutzen zum Schutz vor Schadensersatzansprüchen, zur Unfallprävention und zur Schadensminderung durch Rehabilitation auch von Unternehmerseite nicht bestritten. HWK Präsident Karl-Heinz Brünger verglich die Situation der Bau-BG mit einem Grillfest beim dörflichen Sportverein. "Das ganze Dorf kommt, isst Würstchen und trinkt Bier, aber zahlen müssen alles die Sportler", sagte Bünger. Als größtes Ärgernis erschien Politikern wie Handwerksvertretern die Leistungspflicht auch für illegal Beschäftigte und Schwarzarbeiter, für die keine Beiträge entrichtet würden. "Die gesetzlich festgelegten Leistungsverpflichtungen einschließlich Renten und Altlasten aus der ehemaligen DDR schaffen einen Finanzbedarf, der gedeckt werden muss", waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. Innerhalb der Berufsgenossenschaften bemühe man sich um einen Ausgleich für die überproportional belastete und sich in höheren Gefahrenklassen bewegende Bauwirtschaft zwischen den Versicherungsträgern der verschiedenen Branchen. Mit Betriebsmitteleinnahmen werde der Beitragssatz bereits jetzt subventioniert. Die Politik habe bislang jedoch zu wenig Bereitschaft gezeigt, ihren Beitrag zur Problemlösung zu leisten, berichtete Krogmann.

Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute: Baukonjunktur weiter schwach

(brb).- Die Arbeitsgemeinschaft der sechs wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute hat in ihrem Frühjahrsgutachten die Erwartungen an die Entwicklung der Bautätigkeit wiederum zurückgenommen. Im laufenden Jahr sollen die realen Bauinvestitionen nunmehr um 2,1 Prozent zurückgehen (Herbstgutachten 2001: - 1,3 Prozent). Für das Jahr 2003 wird eine Stagnation (+ 0,1 Prozent) prognostiziert.

Auch das Wirtschaftswachstum wurde gegenüber der Herbstprognose leicht nach unten revidiert. Für das laufende Jahr gehen die Institute nun von einem preisbereinigtem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,9 Prozent aus (Herbstgutachten + 1,3 Prozent), das sich allerdings im Jahr 2003 deutlich auf 2,4 Prozent erhöhen soll.

Die Institute erwarten, dass die Konjunktur in Deutschland im Frühjahr 2002 wieder anspringt. Im Gefolge der kräftiger expandierenden Weltwirtschaft werde der Export wieder steigen. Die Unternehmen dürften mit anziehender Konjunktur wieder mehr in Ausrüstungen investieren und der Lagerabbau werde sich verlangsamen. Im Zuge der konjunkturellen Aufwärtsbewegung werde auch der private Konsum steigen. Im weiteren Verlauf des Jahres kämen die von der letztjährigen Lockerung der Geldpolitik ausgehenden Impulse mehr und mehr zum tragen. All dies spreche dafür, dass sich der Aufschwung in der zweiten Hälfte diesen Jahres verstärken werde.

Als problematisch wird allerdings eingestuft, dass der wirtschaftliche Aufholprozess in den neuen Bundesländern weiter stagniere. Im laufenden Jahr soll das Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes in Ostdeutschland mit 0,5 Prozent hinter dem westdeutschen Wert (0,9 Prozent) zurückbleiben. Im nächsten Jahr soll dann die ostdeutsche Wirtschaft mit 2,3 Prozent nahezu genauso stark wachsen wie die westdeutschen (2,4 Prozent).

Die Gesamtzahl der Arbeitslosen steigt nach Einschätzung der Institute im laufenden Jahr um gut 100.000 auf jahresdurchschnittlich nahezu 4 Millionen, die Arbeitslosenquote erhöht sich auf 9,3 Prozent. Im Jahr 2003 soll die Zahl der Arbeitslosen durchschnittlich bei 3,8 Millionen liegen, die Arbeitslosenquote sinkt leicht auf 8,9 Prozent. Die im Jahr 2001 deutlich auf 2,5 Prozent gestiegene Inflationsrate soll im laufenden Jahr bei 1,5 Prozent und im nächsten Jahr bei 1,6 Prozent liegen.

Den Erwartungen im Frühjahrsgutachten liegen folgende Einschätzungen zu Grunde:

- Ausgehend von den USA bildet sich ein kräftiger Aufschwung der Weltwirtschaft heraus. Der Welthandel wird im laufenden Jahr um 3 Prozent zunehmen, im Jahr 2003 um 9 Prozent.
- Die Ölversorgung wird durch den Nahost-Konflikt nicht nennenswert beeinträchtig; in diesem Jahr liegt der Ölpreis im Durchschnitt bei 24 US-$ je Barrel, im nächsten Jahr bei 25.
- Der reale effektive Außenwert des EURO erhöht sich im Prognosezeitraum leicht.
- Die Europäische Zentralbank wird im Winterhalbjahr 2002/2003 die Leitzinsen im Euro-Raum um insgesamt 1/2 Prozentpunkte anheben.
- Die Tarifverdienste je Stunde steigen in den Jahren 2002 und 2003 um 2,5 Prozent, also etwas stärker als in den beiden vergangenen Jahren.
- Die Finanzpolitik intensiviert im Jahr 2003 den Konsolidierungskurs; dazu wird ein Sparpaket mit einem Volumen von 8 Mrd. Euro aufgelegt.

Einmal mehr haben die Institute - wie bereits in den Vorjahren - ihre Erwartungen an die Entwicklung der Bauinvestitionen zurückgenommen. War noch im Frühjahrsgutachten 2001 für das laufende Jahr nahezu Stagnation der Bautätigkeit erwartet worden (- 0,3 Prozent), so wurden im Herbstgutachten (- 1,3 Prozent) und im Frühjahrsgutachten (- 2,1 Prozent) die baukonjunkturellen Erwartungen schrittweise gesenkt. Die Stabilisierung der Bautätigkeit wird weiter hinausgeschoben und setzt nach Ansicht der Wirtschaftsforscher nun erst im kommenden Jahr ein.

Zudem dürften sich die Institute bei der Prognose für das laufende Jahr schwerer getan haben als in den Vorjahren. Zum Jahreswechsel lagen die Erwartungen der einzelnen Wirtschaftsforschungsinstitute an das reale Wachstum der Bauinvestitionen im laufenden Jahr zwischen - 0,9 Prozent (Institut für Weltwirtschaft, Kiel) und - 3,9 Prozent (ifo Institut, München). Der in das Frühjahrsgutachten eingestellte Wert muss vor diesem Hintergrund als Kompromiss angesehen werden.

Die Prognosen für die einzelnen Bausparten liegen im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau unter den Erwartungen des Hauptverbandes an die Entwicklung der Umsätze im Bauhauptgewerbe (die wertmäßig etwa ein Drittel der Bauinvestitionen ausmachen); im Wohnungsbau wird der Rückgang von den Instituten erheblich moderater eingeschätzt. Diese Diskrepanz ist auch darauf zurückzuführen, dass das Bauhauptgewerbe vor allem im Wohnungsneubau engagiert ist; die relativ stabilen bis leicht zulegenden Bestandsmaßnahmen kommen vor allem dem Ausbaugewerbe zu Gute, dessen Produktion im Aggregat der Bauinvestitionen erfasst wird.

Eine Zerlegung der baukonjunkturellen Entwicklung auf West- und Ostdeutschland wird von der Arbeitsgemeinschaft der Institute nicht mehr geliefert. Eine (inoffizielle) Aufbereitung durch das Ifo-Institut in München und das IW Halle kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Dabei ist allerdings darauf hinzuweisen, dass der konjunkturelle Verlauf in den Bereichen Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau minimal von den Erwartungen im Frühjahrsgutachten abweicht.

Bauinvestitionen in Deutschland
- reale Veränderungsrate zum Vorjahr in Prozent -

 

2001

2002

2003

Westdeutschland

- 3,8

- 0,7

- 0,9

Wohnungsbau

- 4,8

- 0,9

- 0,3

Wirtschaftsbau

- 0,4

0,3

- 3,2

Öffentlicher Bau

- 7,7

- 2,0

- 2,2

Ostdeutschland

- 12,1

- 7,5

- 2,9

Wohnungsbau

- 16,5

- 8,5

- 3,5

Wirtschaftsbau

- 9,5

- 7,9

- 0,5

Öffentlicher Bau

- 6,5

- 4,8

- 5,5

Anders als in den Vorjahren werden im Frühjahrsgutachten keine lohnpolitischen Empfehlungen abgegeben. Es wird lediglich konstatiert dass die Lohnentwicklung in den vergangenen zwei Jahren stabilitätsgerecht gewesen sei; sie habe damit die Angebotsbedingungen verbessert und insofern eine Ausweitung der Beschäftigung ermöglicht. Die Institute gehen in ihrer Prognose davon aus, dass es trotz der relativ hohen Lohnforderungen auch in dieser Tarifrunde zu Abschlüssen kommt, die einerseits den Beschäftigungserfordernissen Rechnung tragen, die andererseits aber auch der Europäischen Zentralbank keine Inflationsgefahren signalisiert. Die in die Prognose eingestellten Lohnsteigerungen von reichlich 2,5 Prozent würden diesen Anforderungen gerecht.

Breiten Raum widmen die Institute der Kommentierung der finanzpolitischen Erfordernisse. Im Finanzplanungsrat sei im März 2002 vereinbart worden, dass in den Jahren 2003 und 2004 die Ausgaben des Bundes um durchschnittlich 0,5 Prozent gesenkt und der Ausgabenanstieg bei Ländern und Gemeinden auf jeweils 1 Prozent begrenzt werde. Dies ist nach Auffassung der Institute nicht ohne ein Sparpaket zu realisieren. Solle der Beschluss des Finanzplanungsrates umgesetzt werden, so sei in den Jahren 2003 und 2004 ein Sparpaket von jeweils 8 Mrd. Euro erforderlich. Damit käme die quantitative Haushaltskonsolidierung zwar voran, doch werde bei der unterstellten Politik (Sparen in allen Ausgabebereichen) die Verbesserung der Ausgabenstruktur zu Gunsten investiver Ausgaben verfehlt. Die staatliche Investitionsquote dürfte weiter sinken und 2003 mit 1,6 Prozent (in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt) einen neuen Tiefstand erreichen.

Im Rahmen einer qualitativen Haushaltskonsolidierung sei es dagegen erforderlich, den investiven Staatsausgaben eine höhere Priorität einzuräumen und die Einsparungen auf die konsumtiven Ausgaben zu beschränkten. Sofern das Sparpaket eine Rückführung von Ausgaben mit investiven Charakter enthalten sollte, drohten Wachstumspotenziale, die sich aus hohem Bildungsstand und moderner Infrastruktur ergeben, verloren zu gehen oder gar nicht erschlossen zu werden. Dies würde die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands - und insbesondere Ostdeutschlands, wo noch erheblicher Modernisierungsbedarf bei der Infrastruktur bestehe - auf lange Zeit belasten. Schon jetzt sei der Anteil der öffentlichen Investitionen am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland einer der niedrigsten im internationalen Vergleich.

Der aktuelle Kommentar:
Zu wenig für den Bau

(brb).- "Donnerwetter", soll jener legendäre Dorfrichter in der Heide am Ende des Prozesses nach Anhörung aller Prozessbeteiligten überrascht erklärt haben, "Donnerwetter, von denen hat jeder recht." Wer sich die Mühe macht, die Wahlprogramme von SPD und CDU/CSU, FDP und Grünen tatsächlich zu lesen, der mag zu einer ähnlichen Auffassung gelangen. Denn in den vermeintlich richtungsweisenden Aussagen lassen sich Unterschiede nur mit der Lupe erkennen, und die eine oder andere Formulierung, der sich sofort zustimmen lässt, findet sich beinahe wortgleich sogar in mehreren Programmen. Beispiele gefällig? Die Mobilität soll bezahlbar sein, der Wohnraum soll bezahlbar sein, die Energie soll bezahlbar sein. Was würde der Dorfrichter dazu sagen?

Wer jedem etwas bringt, wird allen etwas bringen, lautet des ungeschriebene Rezept der Programmmacher. Auch für die Bauwirtschaft haben sie sich selbstverständlich einiges einfallen lassen, die einen sind etwas konkretprosaisch, die anderen bleiben ehe lyrisch. Immerhin, für den Wohnungsbau wollen alle etwas tun. Die Grünen setzen auf das "Bauen im Bestand", wollen eine "differenzierte Eigentumspolitik", die Eigenheimzulage und die degressive Abschreibung reformieren sowie die "Suburbanisierung eindämmen", alles unter der Überschrift "Nachhaltigkeit". Die Sozialdemokraten versprechen, das Baugesetzbuch und die Planungsstufen zu straffen, damit kostengünstiges und ökologisches Bauen erleichtert wird, sie messen dem Stadtumbau größere Bedeutung bei als dem Neubau, und sie wollen das "selbstgenutzte Wohneigentum" fördern, als Neubau, aber auch im Bestand. Wie die SPD möchte auch die CDU/CSU das Wohneigentum in Neubau und Bestand fördern, das Wohneigentum wirksam in die Förderung der privaten Altersvorsorge einbinden, angemessen den sozialen Wohnungsbau fördern, aber vor allem die "Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau wiederherstellen". Die FDP schließlich wende sich entschieden gegen "unsinnige bauphysikalische Vorschriften" beim energiesparenden Bauen, lehnt die Bauabzugsstreuer ebenso ab wie das Tariftreuegesetz und will die zu niedrige Wohneigentumsquote hochbringen, auch durch eine Streichung der Einkommenssteuergrenzen bei der Wohneigentumsförderung.

Anders als die beiden derzeitigen Koalitionsparteien wollen CDU/CSU und FDP ohne Wenn und ohne Aber den Investitionsstau in der Verkehrspolitik beseitigen, auch und vor allem durch private Finanzierungen. Die Union begründet die Dringlichkeit kräftig verstärkter Straßenbauinvestitionen mit den volkswirtschaftlichen Verlusten durch Staus, die sich anhand regierungsamtlicher Schätzungen auf jährlich 100 Milliarden Euro veranschlagen und dringt darauf, dass die begonnenen Vorhaben zügig fortgeführt, baureife Maßnahmen schnellstmöglich begonnen und die übrigen Projekte zeitgerecht verwirklicht werden. Die FDP, die den "Reparatur-, Neubau und Ausbaustau" auf mittlerweile 20 Milliarden Euro beziffert, will von der überforderten Haushalts- auf eine sinnvolle Nutzerfinanzierung umsteigen und verlangt strikt marktwirtschaftlich, soviel privates Kapital wie möglich als Finanzierungsquelle zu erschließen. Die Sozialdemokraten sind zurückhaltender in ihren Aussagen, sie verweisen auf ein 90-Milliarden Euro-Programm, das für das laufende Jahrzehnt die Basis für Erhalt, Modernisierung, Ausbau und bessere Vernetzung der Verkehrswege sein soll. Sie wollen die Investitionen dauerhaft verstetigen und gezielt Engpässe auf Autobahnen, auf den Schienen und den Wasserwegen beseitigen. Und was ist von den Grünen zu lesen? Sie nennen Mobilität eine Grundbedingung individueller Entfaltung und Bewegungsfreiheit Bestandteil der offenen Gesellschaft, klopfen sich auch auf die Schultern, wie viele Impulse zum Umsteuern in einer "einseitig autofixierten" Verkehrspolitik sie bereits gegeben hätten, meinen, der Individualverkehr müsse "öffentlicher und sozialer werden". Das "Schlüsselprojekt Ökologisch mobil" hat als Kernthema den Kampf gegen Unfallgefahren, für gesetzlichen Schutz vor Verkehrslärm und ein Tempolimit, das kein Tabu bleiben dürfe.

Freilich, die Haltbarkeit von Wahlprogrammen der Parteien ist erfahrungsgemäß ausgesprochen kurz. Sie sind nicht mehr als andere Werbemittel und ihr Verfallsdatum ist der Wahltag. Verbindlich ist keine der schönen, der überflüssigen, der notwendigen, der übertriebenen Versprechungen. Der mündige Bürger ahnt es und in den Parteien weiß man es. Nach dem 22. September sind die Papiere Makulatur. Sie werden in die Container wandern - ungelesen zumeist und von den wenigsten wirklich ernstgenommen.

Bauindustrie warnt: Deutsche Bahn AG kann Investitionsprogramm 2002 nicht umsetzen

(brb).- "Die Auftragsentwicklung im deutschen Eisenbahnoberbau deutet darauf hin, dass die Deutsche Bahn AG auch in diesem Jahr die ihr vom Bund zur Verfügung gestellten Investitionsmittel nicht verbauen kann". Diese Befürchtung äußerte das Mitglied des Präsidiums und mittelstandspolitischer Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Herr Dipl.-Ing. Helmut Echterhoff, im Anschluss an eine Veranstaltung zur "Instandhaltungskrise der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland" in Berlin. Echterhoff forderte deshalb die Mitglieder des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages auf, die Umsetzung des DB-Investitionsprogramms genau im Auge zu behalten. Echterhoff: "Notfalls müssen schon jetzt "Schubladenprogramme" zur Umschichtung freier Investitionsmittel in Straßen- oder Brückensanierungsprojekte vorbereitet werden."

Auf keinen Fall dürfte der Verkehrsausschuss zulassen, dass wie im vergangenen Jahr Investitionsmittel in Höhe von mehreren hundert Mio. Euro verfallen, fordert Echterhoff. Damals hat die Deutsche Bahn AG 735 Mio. Euro an Bundesfinanzminister Eichel zurückgeben müssen. Die Umschichtung dieser freien Haushaltsmittel in Verkehrsprojekte auf der Straße war im Bundestag am Widerstand der "grünen" Haushälter gescheitert. Echterhoff: In der Situation der Baukrise und des Investitionsstaus in fast allen Verkehrsbereichen war das ein volkswirtschaftlicher Unsinn, der kaum noch zu überbieten ist.

Die Ursache für die Umsetzungsprobleme sieht Echterhoff unverändert in den Planungsproblemen der Deutschen Bahn AG. Mit der Verabschiedung des Zukunftsinvestitionsprogramms der Bundesregierung im Herbst 2000 habe die Deutsche Bahn AG zwar einen "Finanzierungssteilpass" zur Sanierung des Bestandsnetzes erhalten. Die Umsetzung dieses Programms sei jedoch daran gescheitert, dass die Bahn keine Plannungsvorräte gebildet und Planungskapazitäten abgebaut habe. Inzwischen sei zwar vieles geschehen, um diese Planungslücke zu schließen, die eingeleiteten Maßnahmen reichten jedoch noch nicht aus, um die Umsetzung des Investitionsprogramms für 2002 sicherzustellen.

Die freien Investitionsmittel sollte die Bundesregierung für ein Brückensanierungsprogramm im Netz der Bundesfernstraßen nutzen, schlägt Echterhoff vor. Echterhoff verwies in diesem Zusammenhang auf den letzten Prüfungsbericht des Bundesrechnungshofes zur Haushalts- und Wirtschaftsförderung der Bundesregierung, in dem die Behörde dem BMVBW vorgeworfen hatte, Aufgaben bei der Brückenerhaltung nur unzureichend zu erfüllen. Dem BMVBW hatten die Rechnungsprüfer vorgerechnet, dass in einem jährlichen Erhaltungsaufwand von 350 bis 450 Mio. Euro lediglich Erhaltungsausgaben von knapp 200 Mio. Euro gegenüberstehen. Echterhoff: "Wir müssen jetzt handeln. Es darf nicht sein, dass es am Ende des Haushaltsjahres wieder heißt, dass Umschichtungen aus haushaltsrechtlichen Gründen leider nicht mehr möglich sind.

Novellierung der Verdingungsordnung für Bauleistungen

(brb).- Die jüngste Novellierung der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) Teil B hat Signalwirkung für die Bauwirtschaft und für alle Bauherren. Öffentliche Auftraggeber dürfen künftig von ihren Auftragnehmern keine so genannten "Bürgschaften auf erstes Anfordern" mehr verlangen. Damit ist der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss (DVA) einer alten Forderung der Deutschen Bauindustrie gefolgt, die Bauwirtschaft von überzogenen Bürgschaftsanforderungen zu entlasten.

Für die deutsche Bauwirtschaft ist die zunehmend rigidere Wirtschaftspolitik der Bauherren und der Banken zu einer immer schwereren finanziellen Belastung geworden. Wie keine andere Branche wird gegenwärtig die Bauwirtschaft mit Bürgschaftsforderungen überzogen, die sich inzwischen auf bis zu 35 Prozent des Jahresumsatzes summierten. Nach der neuen VOB müssen Bauherren künftig nicht verwertete Sicherheiten für Mängelansprüche nach Ablauf von zwei Jahren zurückgeben, sofern kein anderer Rückgabezeitpunkt vereinbart worden ist.

Neue Prognosebroschüre der Bauindustrie vorgestellt

(brb).- Die deutsche Bauindustrie erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang der Umsätze im Bauhauptgewerbe von 2,5 Prozent; während diese in Westdeutschland mit 1,5 Prozent noch moderat ausfallen soll, hält in Ostdeutschland die Talfahrt mit - 5 Prozent unverändert an. Im Jahresdurchschnitt dürften weitere 40.000 Arbeitsplätze im Bauhauptgewerbe abgebaut werden.

Diese Ergebnisse wurden in einer Broschüre "Die Bauwirtschaft im Frühjahr 2002 - Konjunkturelle Lage & Prognose" publiziert. Neben einer ausführlichen Darstellung der drei Bausparten wird die Lage auf dem Bau- und Bauarbeitsmarkt (Wettbewerb, Preise, Ertragslage, Insolvenzen, Beschäftigungen und Arbeitslosigkeit) kommentiert.


Impressum

 

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Amtsgericht Hannover HRB 55659
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 178247194

Verantwortlich: Dr. Hans-Peter Sattler

Nachdruck, auch auszugsweise gestattet. Quellenangabe und Belegexemplar erbeten.

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