Nr. 3/2004
18. März 2004
In dieser Ausgabe u.a.
- Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen entsteht
- Mitgliederversammlung des Verbandes der Bauindustrie für
Niedersachsen
- Maut: Verkehrswegebau braucht unverzüglich Klarheit
- Der aktuelle Kommentar: Investitionen fehlen
- Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im Februar 2004
(brb).- Der Verband der Bauindustrie für Niedersachsen e.V. und der Bauindustrieverband Bremen-Nordniedersachsen e.V. bündeln ihre Kräfte und wollen zum drittgrößten Landesverband der Bauindustrie fusionieren. Ziel des angekündigten Zusammenschlusses ist eine Stärkung der Interessenvertretung der Baubranche gegenüber der Politik und Öffentlichkeit sowie die noch intensivere Beratung der Mitglieder.
Dazu Prof. Michael Sommer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen: „Die Bauindustrieverbände in Niedersachsen und Bremen reagieren mit ihrem Zusammenschluss aktiv auf den Strukturwandel der Branche. Diese nicht durch äußere Umstände erzwungene, sondern aus eigener Kraft harmonisch getroffene Entscheidung verfolgt das Ziel, die Mitglieder besonders während der Rezession und andauernden Branchenkrise noch intensiver und persönlicher zu beraten.“ Mit der erweiterten Verbandsstruktur sollen die Interessen der Branche in den norddeutschen Regionen über Landesgrenzen hinaus im gesamten Bundesgebiet sowie europaweit effizient vertreten werden.
Die geringe Bautätigkeit und schwache Konjunktur für die Baubranche sowie der harte Wettbewerb, insbesondere aus Osteuropa, sind die Gründe für massive Umsatzeinbrüche und Schwierigkeiten der Bauindustrie in Deutschland. Die vormals regionale Auftragsvergabe hat sich über Landesgrenzen hinaus ausgedehnt. Darüber hinaus fordern Bauherren umfassende Dienstleistungen und Komplettangebote. Dieses führt zur Branchenkonzentration und zu Nachteilen für traditionell organisierte Unternehmen.
Um in dem hart umkämpften Markt wirtschaftlich erfolgreich zu sein, wird den Unternehmen der Bauindustrie permanente Innovationsbereitschaft und Weiterentwicklung abverlangt.
Dazu Dr. jur. Wolfgang Bayer, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Bremen-Nordniedersachsen: „Unsere Mitglieder haben Anspruch darauf, dass ihre Interessenvertretung sie vorbildlich unterstützt und der wirtschaftlich schwierigen Situation durch kostengünstige Effizienz begegnet. Dafür ist erforderlich, dass ihr Verband sich in einem permanenten kreativen Prozess auf neue Herausforderungen ausrichtet.“
Mit dem Zusammenschluss entstehen kostengünstige Synergieeffekte. Routinearbeiten werden gebündelt und Kernkompetenzen gestärkt. Ein wesentlicher Vorteil für die Mitglieder in Niedersachsen und Bremen, die ihre Projekte ohnehin unabhängig von Landesgrenzen realisieren, besteht in der konzertierten Kraft des zukünftigen Verbandes und einer noch schlagkräftigeren Präsenz in beiden Bundesländern.
Darüber hinaus wirkt die gewachsene Bedeutung des Verbandes, dass die Interessen der Mitglieder bundesweit sowie im Rahmen der EU noch nachhaltiger vertreten werden können.
Die Präsenz vor Ort mit den eingeführten Standorten in Hannover und Bremen sowie die persönliche Beratung durch vertraute, erfahrene Mitarbeiter bleiben bestehen. Jedes Mitglied in Niedersachsen und Bremen kann alle Leistungen des gemeinsamen Verbandes in Anspruch nehmen. Um Überschneidungen auszuschließen und die Beratung zu intensivieren, werden die einzelnen Leistungen nach besonderen Kompetenzen konzentriert.
Die Bildungsangebote sind eine besonders anerkannte und wichtige Aufgabe der Verbände in Bremen und Niedersachsen. Zukünftig wird die Aus-, Fort- und Weiterbildung in Niedersachsen und Bremen aus „einer Hand“ organisiert. „Unsere Angebote“, so Prof. Sommer, „werden noch stringenter auf die Themen und Zukunftssicherung unserer Mitglieder ausgerichtet. Gleichzeitig werden wir die akademische Qualität der Seminare steigern.“
Die Landesverbände haben die Fusion aus eigener Initiative eingeleitet. Diese Innovationskraft ist laut Dr. Bayer ein überzeugendes Argument gegen die in vielen Branchen verbreitete Verbandsmüdigkeit. „Auch die Ergebnisse der im Übrigen erst nach Einleitung der Fusion geführten Umfrage des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie zur Rolle der Bauindustrieverbände bestätigen, dass der Zusammenschluss der Landesverbände Niedersachsen und Bremen und die Umstrukturierung zur Steigerung der Effizienz ein mutiger Schritt in die richtige Richtung ist.“ Damit werde ein positives Image für den gemeinsamen Verband sowie für die Branche in Niedersachsen und Bremen aufgebaut.
Am 6. Mai dieses Jahres werden die Mitglieder der Bauindustrieverbände Niedersachsens und Bremens in außerordentlichen Sitzungen über die Fusion abstimmen. Nach Zustimmung wird im Anschluss das neue Präsidium des neuen Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen gewählt.
Bauindustrie Niedersachsen: Ende der Talfahrt noch nicht erreicht
(brb).- In einem Pressegespräch anlässlich der Jahreshauptversammlung des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen am 12. März 2004 in Hannover prognostizierte Verbandspräsident Michael Munte, dass der Tiefpunkt der baukonjunkturellen Entwicklung im Jahr 2004 und damit das Ende der Talfahrt noch nicht erreicht sei. Bundesweit seien die Bauinvestitionen im vergangenen Jahr nach einem Minus von 5,9 Prozent im Jahr 2002 nochmals um 3,4 Prozent geschrumpft. Der konjunkturelle Rückgang habe in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Abbau der personellen Kapazitäten geführt. Das niedersächsische Bauhauptgewerbe, das 1995 noch etwa 125.000 Beschäftigte verzeichnet hätte, sei auf etwa 80.000 Beschäftigte zurückgegangen.
Munte betonte, dass die Deutsche Bauwirtschaft trotz ihrer konjunkturellen Talfahrt nach wie vor einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige sei. Die jährlichen Bauinvestitionen lägen immer noch deutlich über der 200 Milliarden Euro-Grenze. Etwa 55 Prozent aller Investitionen würden in Deutschland im Baubereich getätigt. Hieraus folge auch, dass eine positive Entwicklung der Gesamtwirtschaft ohne eine Stärkung der Bauwirtschaft nicht möglich sei. Die Politik forderte Munte auf, die unzweifelhaft vorhandenen Ansätze für einen Konjunkturaufschwung für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen der Bauwirtschaft zu unterstützen und alles zu unterlassen, was die Ansätze für einen positiven Verlauf der Baukonjunktur beeinträchtigen könnte. In diesem Zusammenhang müsse der Gesetzgeber den steuerpolitischen Irrweg in Form der Einführung einer Mindestbesteuerung korrigieren. Die Verweigerung von zeitnahen Verlustverrechnungen werde ansonsten im Baubereich eine neue Insolvenzwelle auslösen.
Verbandspräsident Munte setzte sich für eine Stärkung der Investitionskraft der öffentlichen Hand ein. Insbesondere die Kommunen benötigten wieder eine stabile Einnahmebasis. Nur dann könne der dramatische Rückgang der kommunalen Investitionstätigkeit gestoppt und der schleichende Verfall der kommunalen Infrastruktur aufgehalten werden.
Auch aufgrund der politischen Fehlentscheidungen der Bundesregierung bei der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung sei eine weiter krisenhafte Entwicklung der Bauwirtschaft zu befürchten. Daher muss nach Meinung Muntes kurzfristig die aus dem Mautdesaster resultierende Problematik bei den Verkehrswegeinvestitionen gelöst werden. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages habe zwar die Haushaltssperre über Verkehrswegeinvestitionen für das laufende Jahr aufgehoben. Des Weiteren seien aber die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Einnahmeausfälle aus der Maut zu kompensieren.
Die Bundesrepublik Deutschland dürfe sich eine Absenkung des Niveaus
der Verkehrswegeinvestitionen nicht leisten, da ansonsten die Verkehrswegeinfrastruktur
zu einem Engpassfaktor für das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland
würde. Schon jetzt hätten, so Munte, die überregionalen Verkehrswege
durch unterlassene Unterhaltungsmaßnahmen und aufgeschobene Instandhaltungsinvestitionen
dramatisch an Modernität eingebüßt. Die bevorstehende EU-Osterweiterung
werde neue Verkehrsströme in das schon jetzt überlastete deutsche
Verkehrsnetz leiten. Die Bundesrepublik Deutschland werde deshalb nicht daran
vorbeikommen, Investitionsmittel nicht nur für den Erhalt des vorhandenen
Netzes, sondern auch für dessen bedarfsgerechten Ausbau bereitzustellen.
Im Zusammenhang mit der öffentlichen Investitionstätigkeit wiederholte
Munte die Forderung der Deutschen Bauindustrie, bei den öffentlichen Haushalten
zu einer Umschichtung zu mehr Investitionsorientierung zu gelangen. Darüber
hinaus müsse die Politik verstärkt private Mittel zur Herstellung
und Betrieb von Infrastruktur und Hochbauten einsetzen. Die positiven Erfahrungen
aus anderen Ländern mit der privat-öffentlichen Finanzierung müssten
endlich auch in Deutschland flächendeckend umgesetzt werden.
Bei der Beurteilung der Branchenentwicklung kam Munte zu dem Ergebnis, dass der Wohnungsbau den höchsten Anteil an der Bautätigkeit habe und insofern entscheidend sei für die Baunachfrage insgesamt. Der gravierende Rückgang der Fertigstellungszahlen in den vergangenen Jahren sei vor allem im Geschosswohnungsbau entstanden und dort in erster Linie durch die Einschränkungen der Wohnungsbauförderung bzw. neu eingrenzende gesetzliche Bestimmungen verursacht worden. Da der Eigenheimwunsch in der deutschen Bevölkerung nach wie vor ungebrochen sei, sah Munte im Bereich des Wohnungsbaus Chancen für ein leichtes Anziehen der Wohnungsbaukonjunktur. Dies seien jedoch Vorzieheffekte im Zusammenhang mit der Kürzung der Eigenheimzulage. Munte betonte, dass selbst bei einem Anziehen der Gesamtzahl der fertig gestellten Wohnungen im Jahr 2004 auf etwa 290.000 der mittelfristige Bedarf von 350.000 bis 400.000 Einheiten deutlich unterschritten würde.
Die Entwicklung des Wirtschaftsbaus leide zum einen unter der gesamtwirtschaftlichen Stagnation, zum anderen aber auch unter dem nach wie vor angeschlagenen Vertrauen privater Investoren in den Investitionsstandort Bundesrepublik Deutschland. Immerhin trage sich ein Viertel aller deutschen Industrieunternehmen im Jahr der EU-Osterweiterung mit dem Gedanken, die Produktion in den nächsten drei Jahren ganz oder teilweise ins Ausland zu verlagern. Entscheidend für die mittelfristige Entwicklung des Wirtschaftsbaus ist es nach Worten des Verbandspräsidenten, inwieweit die seit Mitte 2003 allmählich wieder optimistischeren Geschäftserwartungen und Lageeinschätzungen der Unternehmen auch deren Investitionsbereitschaft verbessere.
Im Hinblick auf die bevorstehende Erweiterung der Europäischen Union führte Munte aus, dass die deutschen Bauunternehmen die siebenjährige Übergangsfrist, während der die Freizügigkeit der Arbeitnehmer und die Dienstleistungsfreiheit für die neuen Mitgliedsstaaten eingeschränkt seien, intensiv nutzen müssten, um sich auf den zukünftig weiter verschärfenden Wettbewerb vorzubereiten. Da dieser Wettbewerb angesichts der immensen Arbeitskostenunterschiede nicht über die Löhne gewonnen werden könne, müssten die Unternehmen der Bauwirtschaft die Produktivität der Arbeitskräfte und die Qualität der Bauausführung konsequent steigern. In diesem Zusammenhang sei die Forderung zu erheben, auch in Deutschland ein Qualifizierungssystem einzuführen, wie es in nahezu allen anderen EU-Mitgliedsstaaten bereits vorhanden sei. Durch ein solches System würden Bauunternehmen bereits vor Markteintritt auf Fachkunde, Wirtschaftlichkeit, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit geprüft.
Nach Meinung der Niedersächsischen Bauindustrie ist die Reform der sozialen Sicherungssysteme mit Mut weiterzuführen. Gerade arbeitsintensive Branchen wie die Bauwirtschaft brauchten eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten. Ansonsten würden die inländischen Firmen im Wettbewerb mit den europäischen Konkurrenten auf einem erweiterten europäischen Baumarkt nicht bestehen können.
Eine weitere wichtige Aufgabe der Politik sah Verbandspräsident Munte
in der Zurückdrängung illegaler Betätigung im Baubereich. Nach
seiner Meinung sei mit dem steuerlichen Abzugsverfahren ein wichtiger Schritt
getan worden, durch die die Betätigung illegal arbeitender Firmen am Baumarkt
zurückgegangen sei. Weitere Maßnahmen seien allerdings erforderlich.
Die geplanten neuen Regelungen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit gingen
teilweise zwar in die richtige Richtung, seien allein aber nicht ausreichend.
Verband der Bauindustrie für Niedersachsen wählt
neuen Präsidenten
(brb).- Nach 20-jähriger Amtszeit als Präsident des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen hat Senator E.h. Dipl.-Ing. Michael Munte, Firma Munte Bauunternehmung GmbH & Co. KG, anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes am 12. März 2004 nicht für eine weitere Amtsperiode kandidiert. Für seine hervorragenden Verdienste um die niedersächsische Bauindustrie wurde Michael Munte zum Ehrenpräsidenten berufen.
Zum neuen Präsidenten des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen wählte die Versammlung Bauassessor Professor Dr.-Ing. Rolf Warmbold, Firma Hastrabau-Wegener GmbH & Co. KG, Langenhagen. Als Vizepräsident bestätigt wurde Dipl.-Ing. Olaf Hasselmann, Firma Hochtief Construction AG, Hannover.
Maut: Verkehrswegebau braucht unverzüglich Klarheit
(brb).- Nach der Kündigung des Mautvertrages und der nochmals beschlossenen Fortführung muss unverzüglich Klarheit über die Finanzierung der vorgesehenen Verkehrsinvestitionen des Bundes hergestellt werden. Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold, Vizepräsident des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen, richtete die dringende Bitte an die Landesregierung, sich auf allen Ebenen dafür einzusetzen, dass das Mautdesaster nicht auf dem Rücken der Bauwirtschaft ausgetragen wird. Eine Zwischenfinanzierung der Mautausfälle für das Jahr 2004 sei ohne weiteres Zögern sicherzustellen. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages müsse hierzu die mautbedingte Haushaltssperre über eine Milliarde Euro Verkehrsinvestitionen noch im Frühjahr aufheben. Nach Auffassung Warmbolds wird es keine andere Möglichkeit geben, als die Finanzierungslücke über die Aufnahme neuer Kredite zu schließen, da alle anderen Varianten zu zeitaufwendig seien.
Warmbold äußerte die Befürchtung, dass bereits jetzt mit negativen
Konsequenzen für den Bauarbeitsmarkt mit einem Verlust und einer drohenden
Gefährdung tausender von Arbeitsplätzen in der niedersächsischen
Bauwirtschaft, aber auch in vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen, zu
rechnen sei. Da die Ausschreibung neuer Verkehrsprojekte einen zeitlichen Vorlauf
beanspruche, werde es in jedem Fall zu einer Investitionslücke kommen.
Wenn das Baujahr 2004 nicht gänzlich abgeschrieben werden solle, müsse
jetzt schnellstens gehandelt werden.
Der aktuelle Kommentar
Investitionen fehlen
(brb).- Die Bauindustrie ist, gesamtwirtschaftlich gesehen, nach wie vor ein Riese. Aber sie steht, vor allem weil die öffentlichen Aufträge fehlen, auf wackligen Beinen. Zahlen sind eine beredte Sprache. Die jährlichen Bauinvestitionen liegen zwar noch sehr deutlich über der 200 Milliarden-Euro-Grenze. Aber im vergangenen Jahr sind diese Investitionen um weitere 3,4 Prozent geschrumpft. Die dramatischen Folgen werden an den Insolvenzen der Branche ebenso sichtbar wie an dem notgedrungenen unvermeidbaren Personalabbau. Allein in Niedersachsen hat das Bauhauptgewerbe seit 1995 rund ein Drittel seiner Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit entlassen müssen. Von den damals 125.000 Mitarbeitern stehen mittlerweile nur noch 80.000 bei den Baufirmen hierzulande auf den Lohn- und Gehaltslisten.
Der Trend wird sich nur umkehren lassen, wenn insbesondere die öffentliche Hand wieder mehr Geld in Bauvorhaben steckt. Wenn die Infrastruktur in Deutschland nicht kaputtgehen soll, dann dürfen solche Investitionen nicht noch länger aufgeschoben werden. Von den Straßen des Landes und der Kommunen einmal ganz zu schweigen. Das deutsche Autobahnnetz beispielsweise hat bereits seine einseitige Leistungsfähigkeit eingebüßt. Es ist nicht nur nicht rechtzeitig im Blick auf den gewachsenen Kraftfahrtzeugverkehr erweitert worden. Darüber hinaus ist nicht zuletzt die Instandhaltung der überlasteten Autobahnen sträflich vernachlässigt worden. Ein Verkehrsschild, das eine drastische Geschwindigkeitsbeschränkung mit der Erläuterung „Fahrbahnschäden“ vorschreibt, löst nicht das Problem. Aber es zeigt unübersehbar an, wo fällige Reparaturen nicht vorgenommen wurden und werden – und wo derlei Unterlassungssünden fortan sehr, sehr teuer bezahlt werden müssen.
Natürlich ist der notleidenden Bauwirtschaft auch mit vermeintlich kleinen
Schritten zu helfen. Michael Munte, der Präsident des Verbandes der Bauindustrie
in Niedersachsen hat gerade darauf hingewiesen. Die Schwarzarbeit auf dem Bau
muss noch stärker zurückgedrängt werden, die Reform des sozialen
Sicherungssystems darf nicht stecken bleiben, und die Mindestbesteuerung ist
als gefährlicher Irrtum wieder zu beseitigen. Aber das A und O der Misere
sind die fehlenden Investitionen. Auch die jener Industrieunternehmen übrigens,
deren Vertrauen in die Verlässlichkeit und Berechenbarkeit des Investitionsstandortes
Deutschland geschwunden ist.
Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im Februar 2004
(brb).- Nach den Ergebnissen des jüngsten Konjunkturtests im westdeutschen Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima im Februar kaum verändert. Während die aktuelle Geschäftslage weniger negativ beurteilt wurde, sahen die befragten Unternehmen die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten allerdings wieder spürbar kritischer als im Januar. Bei steigender Bauproduktion legte auch der Ausnutzungsgrad der Gerätekapazitäten zu; er war mit 60 Prozent (saison- und witterungsbereinigt) so groß wie im Februar 2003. Bei knapp der Hälfte der Testteilnehmer wurde die Abwicklung der Aufträge vom Wetter beeinträchtigt (Februar 2003: 59 Prozent) und ebenso häufig führte Auftragsmangel zu Behinderungen der Bauproduktion.
Im Durchschnitt der Bausparten schrumpfte die Reichweite der Auftragsbestände geringfügig; sie war mit 2,2 Monaten (saison- und witterungsbereinigt) auch etwas kleiner als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (2,4 Monate). Im Berichtsmonat gaben weiterhin drei von fünf Testteilnehmern an, dass ihre Auftragsreserven zu klein sind. Die Firmenmeldungen lassen erkennen, dass die Preise im Berichtsmonat nur noch wenig unter Druck standen. In den nächsten Monaten dürften die Preise nach Ansicht der Unternehmen sogar eher moderat ansteigen. Der Personalabbau wird anhalten: Per saldo gingen 36 Prozent der Firmen von einer Verringerung der Mitarbeiterzahl in der nächsten Zeit aus (Februar 2003: 40 Prozent).
Nach einer Sonderfrage entfielen im Jahr 2003 (2002) rund 47 Prozent (49 Prozent) vom Umsatz auf Baustellen im eigenen Stadt- oder Landkreis, 36 Prozent (37 Prozent) in anderen Kreisen, jedoch im eigenen Bundesland, 16 Prozent (13 Prozent) in anderen Bundesländern und 1,6 Prozent im Ausland. Auf Subunternehmerleistungen entfielen 25 Prozent des Jahresumsatzes. Die Schwerpunkte dieser Tätigkeiten lagen bei Firmen des Bauhauptgewerbes (36 Prozent) und des Ausbaugewerbes (23,5 Prozent), gefolgt von Transportunternehmen (19 Prozent).
Im Hochbau hat sich – mit Ausnahme des gewerblichen Hochbaus – die Skepsis hinsichtlich der künftigen Geschäftsentwicklung erhöht. Während sich die Urteile über die aktuelle Geschäftslage im öffentlichen Hochbau auch sichtlich verschlechterten, waren sie bei den Wohnungsbauunternehmen nicht mehr ganz so kritisch wie noch im Januar. Die Gerätekapazitäten waren genauso schlecht ausgelastet wie in den beiden Vormonaten. Zwei von fünf Testteilnehmern meldeten Behinderungen durch Witterungseinflüsse, jeder zweite klagte über Auftragsmangel.
KURZ NOTIERT
(brb).- Der Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe in den alten Bundesländern betrug im 4. Quartal 2003 bei Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten 14,4 Mrd. EUR. Das entsprach einem Rückgang von real 9,3 Prozent zum Vorjahresquartal.
In den neuen Bundesländern betrug der Auftragsbestand bei Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten im 4. Quartal 2003 3,8 Mrd. EUR und lag damit real um 7,2 Prozent unter dem Stand des Vorjahres.
(brb).- Der Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe in den alten Bundesländern betrug im Dezember 2003 2.659 Mill. EUR und lag damit real um 13,9 Prozent unter dem Stand des Vorjahres.
In den neuen Bundesländern erreichte der Auftragseingang im Dezember 2003 746 Mill. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Rückgang von real 6,0 Prozent.
(brb).- Im Februar 2004 sank die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen im Vergleich zum Vorjahrsmonat um 4,2 Prozent auf 175.765. Die Zahl der Kurzarbeiter im Baugewerbe betrug 30.768. Das waren 7,4 Prozent weniger als im Februar 2003.
Die Zahl der Arbeitslosen mit bauhauptgewerblichen Berufen in den neuen Bundesländern betrug im Februar 2004 187.676. Sie lag damit um 5,4 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Die Zahl der Kurzarbeiter im Baugewerbe fiel im Vorjahrsvergleich um 8,3 Prozent auf 7.438.
Ab Januar 2004 werden Arbeitslose, die an Trainingsmaßnahmen teilnehmen, nicht mehr statistisch zu den Arbeitslosen gezählt. Ein Vergleich mit den Werten der Vorjahre ist somit nur eingeschränkt möglich. Des Weitern haben sich die Daten von 2001 bis 2003 aufgrund eines neuen EDV-Programms in den BA leicht geändert.
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