Nr. 3/2003
27. März 2003
In dieser Ausgabe u.a.
- Verband der Bauindustrie für Niedersachsen zur Jahreshauptversammlung
2003: Bau leidet unter schlechter Ertrags- und Liquiditätslage
- DIHK Konjunkturumfrage im Frühjahr 2003: Dramatische Verschlechterung
der Geschäftserwartungen der Bauunternehmen
- Der aktuelle Kommentar zur Lage am Bau
- Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im Februar 2003
Steuerpolitik gefährdet Bauinvestitionen
(brb).- In einem Pressegespräch anlässlich der Jahreshauptversammlung 2003 des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen berichtete Verbandspräsident Michael Munte über die nach wie vor schlechten Konjunkturdaten aus der Bauwirtschaft. Der nun schon seit sieben Jahren anhaltende Krisentrend in der Bauwirtschaft könne nur überwunden werden, wenn die Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft und die Investoren deutlich verbessert und die Standortbedingungen nicht weiter vernachlässigt würden.
Die Bauinvestitionen seien bundesweit nach einem Minus von 5,7 Prozent in 2001 nochmals geschrumpft, und zwar um 5,9 Prozent in 2002. Die Baukonjunktur habe sich in den vergangenen Jahren von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt: Während das Bruttoinlandsprodukt von 1994 bis 2002 um real zwölf Prozent zugelegt habe, seien die Bauinvestitionen im gleichen Zeitraum um nahezu 19 Prozent zurückgegangen. Der Bauindustrie-Präsident verwies dabei auf das westeuropäische Ausland, wo die Bauinvestitionen in diesem Zeitraum teilweise deutlich gestiegen seien.
Zusätzlich zu der Investitionszurückhaltung aller Auftraggebergruppen litten viele Bauunternehmen unter einer schlechten Ertrags- und Liquiditätslage, die durch die lang anhaltende wirtschaftliche Talfahrt der Branche und einen ruinösen Wettbewerb, der kaum auskömmliche Preise zulasse, verursacht worden sei. Die Liquiditätsprobleme würden durch die schlechte Zahlungsmoral vieler Auftraggeber – insbesondere aus dem öffentlichen Bereich – verstärkt.
Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung schlage sich auch in der Zahl der am Bau Beschäftigten nieder: In den Bauunternehmen wurden 2002 bundesweit weitere 74.000 Stellen auf derzeit 880.000 Stellen abgebaut. Seit 1995 hätten damit über eine halbe Million Menschen ihren Arbeitsplatz im Bauhauptgewerbe verloren. In Niedersachsen seien im Jahresdurchschnitt 2002 etwa 86.000 Menschen beschäftigt gewesen, ebenfalls ein weiterer Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent. Munte wies in diesem Zusammenhang auf die hohe Bedeutung der Bauwirtschaft für den Arbeitsmarkt und die gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung hin.
Am stärksten unter Druck stehe derzeit der Wohnungsbau, der die baukonjunkturelle Entwicklung noch bis 1999 gestützt habe. Investitionsentscheidungen für den Geschosswohnungsbau dürften nach Meinung Muntes nicht durch weitere Mietrechtsverschärfung, Abschreibungsverschlechterungen oder die Besteuerung von Wertzuwächsen zunichte gemacht werden. Auch der Eigenheimbau gehe weiter zurück, wofür die unsicheren Einkommenserwartungen der Bauherren, die Verunsicherung bei der Eigenheimzulage und die höheren Bonitätsanforderungen seitens der Kreditgeber verantwortlich seien. Präsident Munte rechnete für den Fall, dass sich der Wohnungsbau nicht mittelfristig erholt, ab Ende der Dekade mit deutlichen Versorgungsengpässen in der Wohnungswirtschaft, denn die derzeitigen Fertigstellungen von 275.000 Wohnungen pro Jahr lägen deutlich unter dem eigentlichen Bedarf mit jährlich zwischen 330.000 und 380.000 Wohnungen.
Das prognostizierte gesamtwirtschaftliche Wachstum von unter einem Prozent im Jahre 2003 mache auch wenig Hoffnung auf einen Aufschwung im Bereich des Wirtschaftsbaus, der stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängig sei. Wegen der zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors bestehe im Wirtschaftsbau jedoch langfristig die Aussicht auf Stabilisierung.
Im öffentlichen Bau habe die Investitionszurückhaltung von Bund, Ländern und Gemeinden erheblich zur Verschlechterung der Auftragslage beigetragen. Hauptauftraggeber des Baugewerbes seien nach wie vor die Kommunen mit etwa 60 Prozent der öffentlichen Baunachfrage, so dass sich deren akute Finanznot besonders stark auf die Baukonjunktur auswirke. In vielen Bereichen des Hoch- und Tiefbaus bestehe weiterhin Baubedarf, den die Kommunen wegen mangelnder Finanzmittel nicht umsetzen könnten. Eine Gemeindefinanzreform sei daher auch aus Sicht der Bauwirtschaft dringend erforderlich, da die Kommunen ganz wesentlich auf Zuweisungen von Bundes- und Landesmittel angewiesen seien.
Hohe Steuern, fehlende Kontinuität und Berechenbarkeit der Steuerpolitik
gefährdeten das Ansehen des Investitionsstandortes Deutschland und verhinderten
damit auch Investitionen in den Bau, so Munte. Die Bauwirtschaft sei auch direkt
durch das Steuervergünstigungsabbaugesetz betroffen, so insbesondere durch
die vorgesehene Einführung der Mindestbesteuerung. Damit solle die Möglichkeit,
Verluste der Vergangenheit mit künftigen Gewinnen zu verrechnen, beschränkt
werden. Das sei Gift für die Bauwirtschaft, in der typischerweise bei
lang laufenden Projekten zunächst Verluste entstünden und erst im
letzten Projektjahr Gewinne zu Buche schlügen, die dann aber nicht mehr
vollständig mit den Verlusten der Vorjahre verrechnet werden könnten.
Eine Verbesserung der Eigenkapitalquote der Unternehmen werde dadurch verhindert
und die Bedingungen für die Kreditaufnahme noch weiter verschlechtert.
Insoweit sei zu hoffen, dass der Bundesrat dieses Gesetz, das sich eindeutig
gegen die Bauwirtschaft richte, zu Fall bringe.
DIHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2003: Dramatische Verschlechterung
der Geschäftserwartungen der Bauunternehmen
(brb).- Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Ergebnisse seiner Konjunkturbefragung bei 82 Industrie- und Handelskammern in Deutschland in seiner Broschüre “Wirtschaftslage und Erwartungen - Februar 2003” vorgelegt. Grundlage für die DIHK-Ergebnisse sind Befragungen bei über 25.000 Mitgliedsunternehmen durch die IHK`s, davon 1.750 aus der Bauwirtschaft.
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage haben historische Tiefstände erreicht. Seit Veröffentlichung gesamtdeutscher Werte (ab 1999) haben die Bauunternehmen noch nie so pessimistisch in die Zukunft geschaut: Die ohnehin schon desolate Geschäftslage soll sich im Laufe des Jahres noch verschlechtern. Über 60 Prozent der befragten Bauunternehmen gehen davon aus. Dies wird nicht ohne Auswirkung auf die Beschäftigung bleiben: 56 Prozent planen eine weitere Einschränkung ihres Personalstandes.
Bei der Industrie, im Handel und bei den Dienstleistern hat sich die Stimmung zu Jahresbeginn 2003 gegenüber Herbst 2002 geringfügig verbessert. Lediglich das Lageurteil des Baugewerbes fällt im Vergleich zur Vorumfrage deutlich schlechter aus: Das Baugewerbe leidet nach wie vor besonders unter der Konjunkturschwäche und der unsicheren politischen Lage. Mehr als jedes zweite Bauunternehmen bewertet seine aktuelle Geschäftslage im Februar 2003 als schlecht. Der Saldo der prozentualen “gut”- bzw. “schlecht”-Meldungen liegt mit -46 deutlich unter dem Saldo der Gesamtwirtschaft mit -25.
Im regionalen Vergleich ist die starke Verschlechterung der Wirtschaftslage in der süddeutschen Bauindustrie besonders auffällig: Die Lagebeurteilungen ergeben sowohl im Vergleich zur Vorumfrage als auch im Vorjahresvergleich einen sehr deutlichen Zuwachs des Minus-Saldos von 33 auf nunmehr 48 Prozent-Punkte. Die Rückschläge fallen demgegenüber in der norddeutschen Baubranche vergleichsweise milder aus: Der Minus-Saldo weitet sich von 45 im Herbst auf nunmehr 51 Prozent-Punkte aus. Auch die westdeutschen Bauunternehmen sind mit einem Saldo von - 49 Prozent-Punkten höchst unzufrieden mit der aktuellen Lage.
Lediglich das ostdeutsche Baugewerbe konnte sich in der Lageeinschätzung recht gut behaupten. Die Beseitigung der Flutschäden bescherte in einigen Regionen eine Sonderkonjunktur, die die saisonbedingte Verschlechterung des Minus-Saldos zumindest dort abmildern konnte. Auf die Gesamtregion gesehen konnte dieser Sondereffekt dennoch eine negative Entwicklung nicht verhindern. Allerdings verschlechterte sich der Saldo nur moderat von -36 auf -40 Prozent-Punkte.
Auch bei den Geschäftserwartungen ist die Bauwirtschaft Schlusslicht. Der Minus-Saldo der Erwartungsangaben setzt seinen Sturzflug fort: Um 21 Prozent-Punkte auf 56 Prozent-Punkte und liegt damit weit unter den übrigen Wirtschaftszweigen (Gesamtwirtschaft mit - 22). Nur jedes zwanzigste Bauunternehmen blickt zuversichtlich in das Jahr 2003; hingegen rechnen 61 Prozent mit weiteren Rückschlägen. Am schlimmsten sieht das Bild in Norddeutschland aus: 77 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäftslage.
Die Investitionsplanungen der Bauunternehmen geben zu Jahresbeginn 2003 ein Bild wieder, das düsterer kaum sein kann. 61 Prozent der Unternehmen planen eine Reduzierung ihrer Investitionstätigkeit, nur 3 Prozent wollen mehr investieren. Der Saldo aus “Höher”- und “Geringer”-Meldungen verringerte sich damit gegenüber Herbst 2002 um 14 Prozent-Punkte. Auch die Auftragszuwächse infolge der Flutkatastrophe genügen nicht, um in der ostdeutschen Bauwirtschaft nachhaltig Investitionen anzuregen: Die Verschlechterung des Minus-Saldos im Vergleich zur Herbstumfrage ist mit 17 Prozent-Punkten noch dramatischer als in Gesamtdeutschland.
Die Lage auf dem Bauarbeitsmarkt wird sich in diesem Jahr dramatisch zuspitzen:
Lediglich jedes fünfzigste Unternehmen plant einen Personalaufbau, dagegen
wollen 56 Prozent den Personalbestand weiter verringern. Der Negativ-Saldo
von 54 Prozent-Punkten (Gesamtwirtschaft: - 31) ist der im Branchenvergleich
schlechteste Wert und stellt ein seit Februar 1997 nicht mehr erreichtes Rekordtief
dar. Am stärksten wollen die norddeutschen Bauunternehmen Personal abbauen:
61 Prozent wollen ihren Bestand verringern. Nicht ein Unternehmen plant Mitarbeiter
einzustellen. Süden und Westen liegen mit einem Minus-Saldo von 53 bzw.
54 Prozent-Punkten im Durchschnitt. Die ostdeutsche Bauwirtschaft schneidet
noch am “besten” ab. Allerdings will auch hier mehr als jedes zweite
Unternehmen den Personalbestand reduzieren.
Der aktuelle Kommentar:
Wie lange noch?
(brb).- Wie lange noch, hat Cicero seinerzeit in einer Phase der Bedrängnis geklagt. Lateiner kennen das zum geflügelten Wort gewordene quousque Tandem aus einer seiner berühmten Reden. Auch die um ihre Zukunft bangende deutsche Bauindustrie fragt: Wie lange noch? Doch die Antwort der politisch Verantwortlichen, die einen Weg aus dem Tal der Tränen aufzeigen könnte, lässt auf sich warten. Seit sage und schreibe sieben Jahren steckt dieser Wirtschaftszweig in einer existenzbedrohenden Krise, zweifellos der schlimmsten des letzten halben Jahrhunderts. Und noch immer deutet nichts auf eine Besserung hin, von einer entscheidenden Wende gar nicht zu reden.
Die Bauwirtschaft war ehedem ein ungewöhnlich leistungsstarker Antriebsmotor für die Konjunktur, und sie könnte es wieder sein. Aber diese wichtige Branche hinkt der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung seit 1994 hinterher und muss sich als abgekoppelt betrachten. Denn während das Bruttolandesprodukt in dieser Zeit gewachsen ist, wenn zuletzt auch recht langsam, ist von Jahr zu Jahr weniger Geld verbaut, weniger in Bauvorhaben investiert worden. Mehr als eine halbe Million Arbeiter und Angestellte haben seither ihren Arbeitsplatz in den Betrieben des Bauhauptgewerbes verloren, das deutschlandweit mittlerweile weniger als 900 000 Menschen beschäftigt. Ein Großteil der Unternehmen, in Niedersachsen und anderswo, leidet unter miserablen Erträgen und schlechter Liquidität; die Ursache dafür sind die nach wie vor höchst unbefriedigende Auftragslage, der ruinöse Wettbewerb und nicht zuletzt die skandalöse Zahlungsmoral vieler, gerade auch öffentlicher Auftraggeber. Wie lange noch?
Unsere Struktureinrichtungen, die Binnenkonjunktur und die Unternehmen der Bauwirtschaft dürfen nicht ganz vor die Hunde gehen. Dafür ist einiges zu tun. Die Politik hat endlich wieder für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen, die für Wirtschaft und Private das Investieren in den Wohnungs- und in den Wirtschaftsbau nicht länger zum unkalkulierbaren Risiko machen. Bund und Land müssen in ihren Haushalten Umschichtungen vornehmen und die Konsumsausgaben zugunsten verstärkter Investitionen spürbar kürzen. Und Berlin hat die überfällige Gemeindefinanzreform zu verwirklichen, damit die Kämmerer laufende Ausgaben nicht länger mit neuen Krediten bezahlen müssen und die finanziell ausgebluteten Kommunen ihre einstige Investitionskraft wiedererlangen.
Der öffentliche Baubedarf ist riesig. Und er wird täglich größer,
weil in den vergangenen Jahren dringend erforderliche Investitionen unterlassen
wurden. Dafür gab es zweifellos Gründe, von denen allerdings keineswegs
alle überzeugten. Die Leute vom Bau haben als erste auszubaden, wenn am
falschen Ende gespart wird.
Die Bauwirtschaft in Westdeutschland im Februar 2003
(brb).- Nach den Ergebnissen des ifo Konjunkturtests im westdeutschen Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima im Februar geringfügig verschlechtert. Während die Skepsis in den Urteilen über die aktuelle Geschäftslage weiter zurückging, sahen die befragten Unternehmen die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten wieder kritischer als im Januar. Bei steigender Bauproduktion legte auch der Ausnutzungsgrad der Gerätekapazitäten zu; er war mit 60 Prozent (saison- und witterungsbereinigt) so groß wie im Februar 2002. Bei sechs von zehn Testteilnehmern wurde die Abwicklung der Aufträge vom Wetter beeinträchtigt (Februar 2002: 40 Prozent); bei nahezu jedem zweiten Unternehmen führte Auftragsmangel zu Behinderungen der Bauproduktion.
Im Durchschnitt der Bausparten betrug die Reichweite der Auftragsbestände 2,4 Monate (saison- und witterungsbereinigt). Die Beurteilung der Auftragslage hat sich weiter verbessert. Im Berichtsmonat gaben aber immer noch drei von fünf Testteilnehmern an, dass ihre Auftragsreserven zu klein sind. Den Firmenmeldungen zufolge mussten die Preise im Februar herabgesetzt werden. In den nächsten Monaten dürften sie nach Ansicht der Unternehmen eher moderat ansteigen. Der Personalabbau wird anhalten: Per saldo gingen 40 Prozent der Firmen von einer Verringerung der Mitarbeiterzahl in der nächsten Zeit ab.
Nach einer Sonderfrage entfielen im Jahr 2002 rund 49 Prozent vom Umsatz auf Baustellen im eigenen Stadt- oder Landkreis, 37 Prozent in anderen Kreisen, jedoch im eigenen Bundesland, 13 Prozent in anderen Bundesländern und 1 Prozent im Ausland. Auf Subunternehmerleistungen entfielen 25 Prozent (2001: 27 Prozent) des Jahresumsatzes. Die Schwerpunkte dieser Tätigkeiten lagen bei Firmen des Bauhauptgewerbes (35 Prozent) und des Ausbaugewerbes (26 Prozent), gefolgt von Transportunternehmen (18 Prozent).
Im Hochbau haben sich die Urteile über die aktuelle Geschäftslage weiter verbessert; die Skepsis hinsichtlich der künftigen Geschäftsentwicklung erhöhte sich jedoch wieder. Die Gerätekapazitäten waren besser ausgelastet als im Vormonat; mit 56 Prozent wurde der vergleichbare Vorjahreswert aber nicht erreicht. Gut die Hälfte der Testteilnehmer meldete Behinderungen durch Witterungseinflüsse, ebenso viele klagten über Auftragsmangel.
Die Reichweite der Auftragsbestände hat sich im öffentlichen Hochbau von 2,2 auf 2,3 Monate und im Wohnungsbau von 1,8 auf 2,0 Monate verlängert; im gewerblichen Hochbau (2,7 Monate) waren keine Veränderungen zu registrieren. Im Durchschnitt der Hochbausparten erreichten die Auftragsreserven mit 2,3 Monaten jedoch nicht das Vorjahresniveau (2,6 Monate). Die Unzufriedenheit mit der Auftragssituation hat erneut abgenommen. Die Firmenmeldungen lassen erkennen, dass der Druck auf die Preise im Berichtsmonat etwas zurückgegangen ist. Für die kommenden Monate rechneten die Testteilnehmer bereits mit Preiserhöhungen.
Im Tiefbau hat sich sowohl an der aktuellen Geschäftslage als auch an den Geschäftserwartungen für die nächsten Monate kaum etwas verändert. Bei steigender Bautätigkeit waren die Gerätekapazitäten sichtlich besser ausgelastet als im Vormonat; mit 64 Prozent übertraf der Ausnutzungsgrad auch den vergleichbaren Wert des Vorjahres. Drei von Vier Testteilnehmern berichteten über witterungsbedingte Behinderungen der Bauproduktion.
Im Straßenbau erhöhte sich die Reichweite der Auftragsbestände von 2,5 auf 2,7 Monate, im sonstigen Tiefbau betrug sie 2,9 Monate. Im Durchschnitt der Tiefbausparten lagen die Auftragsreserven mit 2,8 Monaten etwas unter dem Wert des Vorjahres. Die Hälfte der Testteilnehmer beurteilte die Auftragslage immer noch als schlecht. Nach den Meldungen zu schließen, waren die Firmen ähnlich häufig wie im Vormonat zu Preiszugeständnissen gezwungen. In den kommenden Monaten dürften die Preise nach Ansicht der Firmen stabil bleiben.
Im Fertigteilhochbau hat sich das Geschäftsklima erneut aufgehellt. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage zwar etwas ungünstiger als im Januar; bei den Geschäftserwartungen hat sich jedoch vorsichtiger Optimismus durchgesetzt. Trotz witterungsbedingter Produktionsbehinderungen, die über den in dieser Jahreszeit üblichen Umfang hinausgingen, waren die Gerätekapazitäten besser ausgelastet als im Vormonat; mit 69 Prozent (saison- und witterungsbereinigt) lag der Ausnutzungsgrad der Geräte jedoch 3 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau.
Die Auftragsbestände waren mit 3,4 Monaten nur noch 0,1 Monate kleiner als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Meldungen der Testteilnehmer deuten darauf hin, dass es im Berichtsmonat vereinzelt zu Preisanhebungen kam. Für die nächsten Monate gingen sie von weiter steigenden Preisen aus.
Arbeitskosten im Baugewerbe 2000
(brb).- Die Arbeitskosten je vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer betrugen im Jahr 2000 im deutschen Baugewerbe 36.222 Euro. Die jährlichen Arbeitskosten je Arbeitnehmer werden stark durch die jeweilige Branche und die dort geltenden tariflichen Regelungen und betrieblichen Vereinbarungen bestimmt. So betrugen die Arbeitskosten im gesamten produzierenden Gewerbe (Bergbau, verarbeitendes Gewerbe, Energie- und Wasserversorgung sowie Baugewerbe) 44.807 Euro. Im verarbeitenden Gewerbe 45.808 Euro.
Diese Daten stammen aus der im vergangenen Jahr europaweit nach einheitlichen Standards durchgeführten Arbeitskostenerhebung. Die Erhebung bezieht sich auf alle Kosten, die im Laufe des Jahres 2000 in einem Unternehmen für den Faktor Arbeit angefallen sind. In Deutschland wurden in der zweiten Jahreshälfte 2001 rund 29.000 Unternehmen mit zehn und mehr Arbeitnehmern befragt; das waren 15,7 Prozent aller Unternehmen des Erfassungsbereichs. Die Erhebung enthält Angaben für Deutschland insgesamt und West- und Ostdeutschland. Sie unterscheidet nach Arbeitern und Angestellten, nach der (Beschäftigten-) Größe des Unternehmens sowie nach Kostenarten.
Im Jahr 2000 gab es klare Unterschiede zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Bundesländern. Die Personalnebenkosten spielten mit 41,3 Prozent im westdeutschen Baugewerbe eine gewichtigere Rolle als im ostdeutschen Baugewerbe mit 38,6 Prozent. Dies ist zurückzuführen auf die vereinbarten Sonderzahlungen, die in den Bauunternehmen der alten Bundesländer mit einem Anteil von 5,4 Prozent an den gesamten Arbeitskosten einen größeren Stellenwert haben, als bei den ostdeutschen Bauunternehmen mit einem Anteil von 2,3 Prozent. In die berufliche Weiterbildung investierten die west- als auch die ostdeutschen Unternehmen mit einem Anteil von 0,6 Prozent bzw. 0,7 Prozent gleich wenig. Insgesamt betrugen die Kosten eines vollbeschäftigten Arbeitnehmers im ostdeutschen Baugewerbe 27.888 Euro, waren also beträchtlich niedriger als die durchschnittlichen 39.358 Euro für einen westdeutschen Arbeitnehmer.
Des weiteren spielen die Personalnebenkosten bei den Arbeitern (41,6 Prozent) eine größere Rolle als bei den Angestellten (38,3 Prozent). Dies gilt sowohl für West- als auch für Ostdeutschland. Dies ist auf die Aufwendungen für Beiträge zur Berufsgenossenschaft und die Aufwendungen zur Ausbildungsvergütung zurückzuführen.
Der Anteil der Personalnebenkosten hängt auch von der Größe
des Unternehmens ab. So liegt der Anteil der Nebenkosten bei einem vollzeitbeschäftigten
Arbeitnehmer bei Großunternehmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten
mit 44,3 Prozent deutlich über dem Anteil bei kleineren Unternehmen (10 – 49
Beschäftigten) mit 40,3 Prozent. Bei Arbeitern ist der Unterschied noch
ausgeprägter (47,3 Prozent zu 41,2 Prozent), was auf höhere Aufwendungen
für die betriebliche Altersversorgung sowie auf Entlassungsentschädigungen
und betriebliches Kurzarbeitergeld bei Großunternehmen zurückzuführen
ist.
KURZ NOTIERT
(brb).- Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe betrug in den alten Bundesländern im Dezember 2002 3.106 Mill. EUR und lag damit real um 1,7 Prozent unter dem Stand des Vorjahres.
In den neuen Bundesländern erreichte der Auftragseingang im Dezember 2002 792 Mill. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Zugang von real 7,7 Prozent.
Impressum
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Girozentrale
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Verantwortlich: Dr. Hans-Peter Sattler
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